Hannover - Die Industriegewerkschaft IG BCE macht Druck bei der Energiewende. „Wir müssen die Bremse lösen beim Leitungsbau“, fordert IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis die Politik zum Handeln auf. Notwendig seien „jährlich 5000 Kilometer Leitungsbau ab 2017“ – davon 1000 Kilometer Übertragungs- und 4000 Kilometer Verteilnetz.
Und: „Die Bundesregierung muss die Voraussetzungen für die erforderlichen beschleunigten Genehmigungen schaffen“, verlangt der Gewerkschafts-Vorsitzende, der zugleich wachsende Proteste von Bürgern gegen Leitungsneubauten registriert: „Für mich kommen die Bürgerinitiativen mit ihrem Widerstand gegen den Landschaftsverbrauch nicht überraschend.“
Vassiliadis zieht zwei Konsequenzen. „Wir müssen Einspruchsrechte an Betroffenheitsrechte knüpfen“, sagt der Gewerkschaftschef. Aber es gelte, neben beschleunigten Verfahren „bessere Ansprüche auf Ausgleich“ zu gewährleisten. „Derzeit“, so Vassiliadis, „erhalten Hausbesitzer in einem Bergbaugebiet Ersatz für Schäden an ihren Häusern. Aber Bürgern, die ein Windrad neben ihrem Haus hingesetzt bekommen, sagt man nur: Pech gehabt!“ Das sei untragbar. Denn es gehe um viel Geld. „Es sind nicht mehr Ökoaktivisten in selbstgestrickten Pullovern unterwegs, sondern mächtige Interessen im Spiel“, so Vassiliadis.
Offen zeigt sich die Gewerkschaft für neue Formen der Arbeit unter dem Stichwort „Arbeiten 4.0“ im Zuge der unaufhaltsamen Digitalisierung der Wirtschaft. „Wir sehen einen erheblichen Modernisierungsbedarf“, sagt der IG-BCE-Chef. So fehle es nach wie vor an Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und immer noch würden Frauen im Arbeitsleben „systematisch benachteiligt“.
„Aber“, so bietet er den Arbeitgebern an, „wir können über neue Formen der Arbeitszeitgestaltung sprechen“. Dabei könne man auch „befristet“ von gesetzlichen Normen abweichen.
