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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Lager 3000 In Wiefelstede: Ammerländer Logistiker-Unternehmer gibt an Sohn ab

25.01.2017

Wiefelstede Das Büro von Heinz Riemer ist ein Modellauto-Paradies. Die ganze Wand besteht aus einer Art Glasvitrine. Auf „wohl 1000 oder mehr“ schätzt der 68-Jährige die Zahl der Miniatur-Lastwagen darin, mit bunten Werbe-Aufschriften. Was auffällt: Die größte Gruppe in seinem Miniatur-Wunderland stellen Speditions-Lastwagen. Viele große Namen der Branche sind darunter. Aber auch viele, die es heute nicht mehr gibt – untergegangen im rasanten Wandel der Branche.

Der Logistik-Unternehmer Riemer aber hat alle schwierigen Phasen überlebt. Der Ammerländer ging mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee in die Offensive: Er lagert für verschiedenste Kunden Akten ein, und zwar in gängigen Seecontainern, wasserdicht und feuerfest – ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Tausende Container in Grau/Rot-Tönen hat die Archivierungsfirma Lager 3000 (Wiefelstede) mittlerweile in ihren Hallen angesammelt, mit Barcodes archiviert, oft gleich digitalisiert und zum Zugriff-Service bereit.

Die Sache läuft gut, man ist marktführend im Nordwesten. Und so konnte Heinz Riemer jetzt sein Lebenswerk – drei Umzugsspeditionen und Lager 3000 mit insgesamt etwa 120 Beschäftigten – an seinen Sohn Oliver übergeben. Quasi zur Krönung seiner Lebensleistung nahm der Senior Ende 2016 noch den „Großen Preis des Mittelstands“ der Oskar-Patzelt-Stiftung in Em­pfang. „Sich als einer der Besten präsentieren zu können – das sei schon eine große Ehre“, sagt der Neu-Rentner sichtlich gerührt. „Es war gewaltig“, sagt er über die Gala. Dann gab er bei der Weihnachtsfeier im Betrieb den Schlüssel an Oliver weiter.

Ein guter Verkäufer aber wird Heinz Riemer wohl immer bleiben. Etwa, wenn er bei Führungen durch die Wiefelsteder Lagerhallen, in denen sich die Container bis zu vier Lagen hoch stapeln, seine Firma wöchentlich Besuchergruppen bis hin zu den Landfrauen vorstellt – und seine eigene Geschichte erzählt. Sie handelt von 50 Jahren in einer aufregenden Branche.

Denn der gebürtige Westersteder hatte nach dem Besuch der Handelsschule in Varel 1966 eine kaufmännische Lehre in einer Möbel-Spedition begonnen: F. W. Deus in Oldenburg. Seit diesen Tagen liebt er den täglichen Kontakt mit Kunden. Riemer hat unzählige Geschichten parat, vom Umzug per Lastwagen mal eben nach Paris, der Klavier-Verladung durchs Hausdach oder vollgestopften Containern für Australien.

Der junge Speditionskaufmann machte Karriere. Er wurde „2. Mann“ im Möbeltransport von Karl Griffel und dann Geschäftsführer bei UHE in Wilhelmshaven.

Doch es habe irgendwie „gekribbelt“, selbst Unternehmer zu sein, nicht nur Angestellter, beschreibt Riemer seinen Weg. Die Chance bot sich 1986: Damals standen die Speditionen Willi Richter und Walter Bötticher (Oldenburg) zum Verkauf. Sie gehören noch heute zur Wiefelsteder Firmen-Gruppe (Umsatz gut acht Millionen Euro).

Der Ammerländer erkannte einst die Zeichen der Zeit: Wechselbrücken, die er früh nutzte, konnten Kapazitäten und Flexibilität der Lkw-Flotte erhöhen. Und ein Verbund mit anderen wurde nötig, um Kunden bei ihren Transport-und Umzugswünschen optimal bedienen zu können – national und im Ausland. Ein Ergebnis war die Kooperationsplattform „Euromovers“ mit Dutzenden Logistikern. „Die habe ich mitgegründet“, freut sich Heinz Riemer über diese Allianz, die 1994/95 geschmiedet wurde und heute bis China reicht.

Im regionalen Kerngeschäft gelangen ihm und seiner Frau manche spektakuläre Coups. Darunter war der Umzug der Oldenburger Landesbibliothek von der Ofener Straße an den Pferdemarkt. „33,9 Kilometer Bücher“ seien das gewesen, transportiert in selbst gezimmerten Meterkisten. „Wir haben alles ab- und wieder aufgebaut“, erzählt Riemer. Eine weitere Spezialisierung ergab sich für den Umzug ganzer Betriebe.

Glaubt man dem Magazin „Impulse“, dann hätte das aber alles wohl kaum zur langfristigen Sicherung ausgereicht. Der entscheidende Schritt erfolgte 1999: Damals gründete Riemer mit seiner Frau die Firma Lager 3000. „2000“ – das sei schon zu abgedroschen gewesen. „3000“ aber wurde ein Alleinstellungsmerkmal.

Der Speditionskaufmann erfand sich quasi neu, mit Akteneinlagerung. Ein wichtiger Start-Impuls kam von der Bremer Landesbank: „Haben Sie Lagerplatz?“ Es ging um Hunderte Regalmeter Akten. Riemer hatte Platz. Er hatte 50 Container angeschafft. „Man muss auch Glück haben“, sagt der Vollblut-Unternehmer über diese Phase. Er mietete in Wardenburg eine Halle an – und los ging’s, mit Abholung, Transport, systematischer Einlagerung und Aufrufbarkeit (Barcode-Erfassung) auf den anfangs selbst gezimmerten Regalen. Etwa 2300 Ordner pro Container, rechnet Oliver Riemer vor. Auf Kundenwünsche hin kamen immer mehr Dienstleistungen hinzu, bis hin zum kurzfristigen Abrufservice für eingelagerte Akten (nachmittags bestellt, morgens auf dem Kundenschreibtisch), Digitalisierung per Scanner (Zugriff über Web-Portal) oder auch Vernichtung in eigenen Maschinen (Recycling des Altmaterials in Vareler Kartonfabrik).

Und so gleicht die heutige Zentrale in Wiefelstede, die 2005 in Hallen einer ehemaligen Maschinenfabrik bezogen wurde, längst einem Dienstleistungszentrum. Man baute mehrmals an. „Wir haben jetzt etwa 2400 Container in der Vermietung“, sagt Gründer Heinz Riemer zum Vergleich mit den 50 aus der Startphase. Immer mehr Firmen und Verwaltungen setzen auf die Wiefelsteder. Aktuell sind es mehr als 250, von Banken wie BLB und OLB über Versicherungen, Verwaltungen, Händler bis zur kleinen Arztpraxis.

Für Riemers Sohn Oliver, der seit 2002 im Betrieb ist und jetzt Lager 3000 sowie die Speditionen – Walter Bötticher, Willi Richter und die 2016 erworbene UHE – übernahm, ist schon klar: „Ziel sind 3000 Container.“ Das dürfte in wenigen Jahren erreicht sein. Aber der Junior hat schon weitere Wachstums-Aspekte identifiziert: Digitalisiert sei beispielsweise ja erst ein Bruchteil der Bestände. Die umfassen übrigens neun Millionen Akten – umgerechnet etwa 750 Kilometer.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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