Osterscheps - Seit Samstag herrscht Gewissheit: die Vogelgrippe, damit ist der gefährliche H5N8-Erreger gemeint, ist zurück in Deutschland. Auch in Niedersachsen hat man schnell reagiert: Auch wenn vor Ort noch kein Fall bestätigt worden ist – seit Samstag herrscht in allen Landkreisen im Weser-Ems-Gebiet Stallpflicht. Darunter fällt auch der kleine Himpsl-Hof von Marius Otto in Osterscheps, auf dem 225 Hühner leben. „Wir haben schon damit gerechnet, dass der Erreger nach Deutschland zurückkehrt“, sagt der Biohof-Betreiber. Da das Virus durch Wildvögel übetragen wird, haben gerade Höfe wie der von Otto mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die Hühner dort in Freilandhaltung leben. Doch Marius Otto ist gut vorbereitet und hat seinem mobilen Stall mit einer innovativen Idee erweitert.

„Eigentlich würde es laut Aufstallungsverordnung reichen, die Hühner ganztägig im mobilen Stall zu lassen. Doch durch die Freilandhaltung sind sie es einfach nicht gewöhnt und würden sich nach ein paar Tagen selbst die Feder ziehen“, so Otto. Deshalb hat der 45-Jährige sein „Hühnermobil“ vor ein leeres Gewächshaus gestellt und mit einer Holzkonstruktion einen geschlossenen Übergang geschaffen. „So haben die Hühner anstatt 80 im Stall jetzt knapp 300 Quadratmeter als Auslauffläche zur Verfügung und fühlen sich mit Sicherheit deutlich wohler“, sagt Otto, der mit der Konstruktion die Aufstallungsverordnungen komplett erfüllt. Denn Hühner brauchen nicht nur Auslauf – sie wollen auch Sandbaden und picken – dafür liegen unter dem großen Tunnel alte Feldsalatscheiben und Spaghetti-Kürbisse aus, die den Hühnern einen angenehmen Zeitvertreib bieten. Im normalen Betrieb wären die Hühner auch nur während des Tages nicht im mobilen Stall gewesen. „Hühner haben auch ein Tages- und Nachtgefühl. Sobald es dämmert, gehen sie ganz selbstständig in den Stall“, sagt Otto.

Dass Ottos Hof so gut gerüstet ist, liegt an früheren Erfahrungen mit der Vogelgrippe. Als 2014 der Erreger in Harkebrügge ausbrach, gehörte sein Hof sogar zum Sperrkreis. „Wir kannten das Szenario und haben extra ein Gewächshaus für solch einen Notfall freigelassen“, so Otto. Doch auch die 200 Quadratmeter sind irgendwann von den Hühner plattgelaufen und überdüngt. „Alle vier Wochen stellen wir unseren mobilen Stall vor ein anderes Gewächshaus, so dass die Hühner auf einem frischen Boden laufen können“, sagt der Bio-Bauer. Dieser wird noch oft das Gewächshaus wechseln müssen. Die Stallpflicht gilt bis zum 31. Januar 2017.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland