Grossensiel - Spätestens als Bürgermeister Hans Francksen den Gerichtssaal betrat, war allen Beteiligten klar, dass die Stadt Nordenham ein großes Interesse an der zukünftigen Nutzung der Traditionsgaststätte Haus Weserstrand hat. Das hatte sich auch schon aus der Anwesenheit von Peter Cordes und Uwe Thöle, die als Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeinnützigen Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG) dabei waren, schlussfolgern lassen. Bei der Zwangsversteigerung des leerstehenden Gasthauses gab Peter Cordes am Mittwoch im Namen der GNSG das höchste Gebot ab.
Ob die Siedlungsgesellschaft, deren größte Gesellschafterin die Stadt Nordenham ist, für die gebotenen 55 000 Euro auch in den Besitz der Immobilie im Großensieler Hafen kommt, steht allerdings noch nicht fest.
Der Ball liegt jetzt bei der Bausparkasse Wüstenrot, die als Hauptgläubigerin das Zwangsversteigerungsverfahren auf den Weg gebracht hatte. Deren Vertreter erbat sich sich bei dem gestrigen Termin im Amtsgericht eine Bedenkzeit. Rechtspflegerin Claudia Uhlhorn setzte daraufhin eine Frist von einer Woche fest. Am Mittwoch, 13. Mai, soll verkündet werden, ob die Bausparkasse das Angebot der GNSG annimmt.
Wüstenrot wägt ab
Nach Informationen der NWZ genügen die 55 000 Euro nicht, um die offenen Rechnungen der Bausparkasse in der Angelegenheit zu begleichen. Die Differenz beträgt etwa 20 000 Euro. Nun muss die Bausparkasse abwägen, ob sie sich mit der Offerte zufrieden gibt. Wenn sie sich dagegen entscheiden sollte, wäre das Zwangsversteigerungsverfahren vorerst beendet und müsste gegebenenfalls später neu beantragt werden.
Wie berichtet, ruht seit Ende 2012 der Betrieb im Haus Weserstrand. Nach einem Trauerfall hatte die Eigentümerin, die inzwischen nach Oldenburg umgezogen ist, die Gaststätte aufgegeben.
Beim ersten Versteigerungstermin im November gab es keinen Zuschlag, weil niemand den damals noch erforderlichen Mindestbetrag von 87 500 Euro bieten wollte. Dieser vom Amtsgericht vorgegebene Mindestbetrag, der sich aus 5/10 des Verkehrswertes zusammensetzt, war am Mittwoch in der zweiten Runde hinfällig.
Nach Angaben der Rechtspflegerin Claudia Uhlhorn hätte es diesmal rein formal gereicht, wenn 5749 Euro zur Deckung der in dem Versteigerungsverfahren angefallenen Kosten geboten worden wären.
In der 30-minütigen Bietzeit meldete sich als erster Interessent Claus Albers, der für die Nordenham Beteiligungs- und Handelgesellschaft mit 25 000 Euro den Startschuss gab. Später stiegen der Nordenhamer Martin Walser als Privatmann und Peter Cordes als GNSG-Chef ein. Die drei Bieter steigerten sich auf 51 000 Euro, bis Peter Cordes in der Nachspielzeit 4000 Euro drauf legte und damit den Schlusspunkt setzte.
Grundstück sichern
„Wir möchten das Grundstück sichern“, sagte Peter Cordes auf die Frage, welchen Verwendungszweck die GNSG für die Immobilie hat. Ob das um 1900 errichtete Haus saniert oder abgerissen werden soll, ließ er offen.
Wie berichtet, plant die Stadt Nordenham für die Nordseite des Großensieler Hafens eine Nutzung unter der Überschrift „Wohnen und Freizeit“. Dazu soll es kommen, wenn im Jahr 2019 der Pachtvertrag mit der Firma Tagu ausläuft, die als letzter Gewerbebetrieb in dem kleinen Hafen ansässig ist.
