Herr Lübben hat richtig erkannt, dass etwa 35 Cent pro Kilogramm Milch für eine kostendeckende Milchproduktion erforderlich sind. Aktuell werden zurzeit 32 Cent ausbezahlt. Weitere Steigerungen der Milchpreise sind zurzeit nicht zu erwarten.
Aus diesem Grunde stellen wir uns die Frage: Wie sollen die erheblichen Verluste der letzten zwei Jahre überhaupt ausgeglichen werden?
Die Aussage von Herrn Lübben, 35 Cent seien für eine kostendeckende Milchproduktion erforderlich, aber in zwei Jahren sei diese schwere Krise überwunden, stellt einen krassen Widerspruch in sich dar.
Von Herrn Lübben unerwähnt blieb auch, dass in den Jahren 2015 und 2016 so gut wie keine Ersatzinvestitionen und noch weniger Neuinvestitionen in Sachen Tierwohl (zum Beispiel Ausgestaltung von Liegeboxen) und in Umweltschutzmaßnahmen (bodennahe Gülleausbringung, Schaffung von Güllelagerraum) durchgeführt wurden. Dieser sogenannte Investitionsstau muss von den Betrieben in den nächsten Jahren zusätzlich bewältigt werden.
Laut Herrn Lübben wird die Politik keine Eingriffe in den Milchmarkt vornehmen. Natürlich wird die Politik erst wieder in den Milchmarkt eingreifen, wenn die europäischen Bauernverbände als größte Vertretung dieses im Sinne der Milcherzeuger fordern.
Der Milchmarkt ist weltweit wesentlich durch die Mehrproduktion in der EU gnadenlos vor die Wand gefahren. Und der Deutsche Bauernverband (DBV) sagt immer noch, es gibt nur diesen Weg.
Wenn wir es nicht schaffen, auf EU-Ebene Angebot und Nachfrage durch ein Instrument zur Mengenreduzierung im Krisenfall im Gleichgewicht zu halten, sehen wir sehr schlechte Aussichten für die bäuerliche Landwirtschaft in ihren heutigen Strukturen.
Dafür ist beim Deutschen Bauernverband ein Umdenken erforderlich. Wie sollen wir unter ständig starkem wirtschaftlichem Druck den sich ändernden Anforderungen bezüglich Tierwohl und Umweltschutz gerecht werden?
