IM NORDWESTEN - Viele Menschen, die in einer ländlichen Gemeinde leben, kennen das Problem: Die nächste Hausarztpraxis ist kilometerweit entfernt, die Anbindung des Öffentlichen Personennahverkehrs lässt zu wünschen übrig und für einen Termin beim Facharzt sind die Wartezeiten wochenlang. Das Problem des Ärztemangels auf dem Land wird sich in Zukunft noch verstärken. Nach Lösungsansätzen suchten jetzt Experten aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens.
Zur Veranstaltung „Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum“ hatten die Stadt Delmenhorst und der Verein Gesundheitswirtschaft Nordwest geladen. Im Hanse Wissenschaftskolleg in Delmenhorst diskutierten die Teilnehmer die Frage, wie gewährleistet werden kann, dass die Menschen in ihrer Umgebung genug Ärzte haben.
Die Gründe für den Medizinermangel auf dem Land sind vielschichtig und längst bekannt: Die Bedarfsplanung für niedergelassene Ärzte wird der Realität nicht gerecht. Unter anderem weil überwiegend Frauen Medizin studieren, ziehen nur noch 16 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums überhaupt in Erwägung, sich als Hausarzt niederzulassen – auf dem Land ist man dort als Einzelkämpfer rund um die Uhr im Einsatz. Das ist schwer mit einer eigenen Familie zu vereinbaren. Der Trend ginge zu Gemeinschaftspraxen, was wieder ein neues Problem in den Fokus rückt: Wie kommen die Menschen zum Arzt?
Bei einem Streitgespräch wurde eines deutlich: „Es muss die Versorgungsstruktur geschaffen werden, die in der jeweiligen Region möglich ist“ – das sagte Heinrich Titzmann, Geschäftsführer des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück. „Die Vernetzung vor Ort muss verbessert werden“, sagte Helmut Scherbeitz von der Bezirksgeschäftsstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung. Ziel müsse eine Kommunikationskultur sein, bei der alle Beteiligten, darunter niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser, darauf hinstreben, Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Die starre Trennung zwischen ambulant und stationär müsse aufgebrochen werden, so Scherbeitz. Nur so könne erreicht werden, dass auch auf dem Land immer genügend Mediziner in Reichweite sind.
