Im Nordwesten - Die niedersächsische Küste bleibt weiter ein beliebtes Revier für Seehunde. Knapp 10 000 Tiere sind in diesem Sommer während 15 Zählflügen im Wattengebiet zwischen Ems und Elbe erfasst worden. Auch der Nachwuchs hielt sich mit 2158 Jungtieren etwa auf Vorjahresniveau, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) am Freitag mitteilte. Die Zählergebnisse für die gesamte Nordseeküste von den Niederlanden bis nach Dänemark werden im Herbst erwartet.
Seehunde gelten als wichtiger Bioindikator für den Lebensraum Wattenmeer. Anzahl und Gesundheitszustand lassen Rückschlüsse auf die Wasserqualität und auf den Fischbestand zu, und damit auch auf das empfindliche Lebensmittel Fisch. „Die Seehunde machen einen gesunden und vitalen Eindruck“, sagte Laves-Präsident Eberhard Haunhorst.
Tiere, die an der Küste angespült oder sichtbar erkrankt eingeschläfert werden müssen, werden von Laves-Experten genau untersucht. „Dabei hat sich gezeigt, dass es keine Hinweise auf mögliche Viruserkrankungen, wie zum Beispiel Seehundstaupe, gibt“, sagte Haunhorst.
1988 hatte diese Seuche den geringen Bestand in Niedersachsen von 2500 Tieren fast halbiert. „Wir hatten große Sorge, dass die gesamte Population sterben könnte“, erinnert sich der frühere Laves-Meeressäugerexperte Michael Stede an bedrückende Situationen vor 30 Jahren: „Auf den Sandbänken war immer wieder der schwere Husten der kranken Tiere zu hören.“ 2002 hatte der Seuchenzug sogar 3851 Seehunde in Niedersachsen hinweggerafft. Im Winter 2014/15 verendeten erneut etwa 2400 Tiere in Schleswig-Holstein und Niedersachsen durch ein Grippevirus. Danach erholten sich die Bestände und erreichten Rekordwerte.
Seehunde ruhen sich in den Sommermonaten gern auf den Sandbänken aus, um ihre Jungen aufzuziehen, sich zu sonnen und um ihr Fell zu wechseln. Auf Wetteränderungen und Störungen durch Menschen reagieren die Tiere sensibel und ziehen sich dann ins offene Meer zurück. Seit 1958 werden Seehunde in Niedersachsen systematisch erfasst, zuerst von Schiffen aus, seit 1973 aus der Luft. Das Laves koordiniert die Flüge mit kleinen Propellerflugzeugen, in denen Jäger die Zählungen übernehmen.
