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Verkehr Im Sessel durch die Gegend gleiten

Stephan Onnen

Oldenburg - Der Lenker lässt sich nach vorne klappen, damit man für den Einstieg genug Platz hat. Wenn man die Handbremsen anzieht, kann man sich bequem in den nur etwa 50 Zentimeter hohen Sitz fallen lassen und ein Bein ins Pedal stemmen. Aber wie lässt sich nun das zweite Bein ans Pedal bekommen, ohne umzufallen?

Für Dieter Hannemann ist das kein Problem. Der 49-jährige Oldenburger schwört zusammen mit seiner Frau, Hanna Brunkhorst (50), bereits seit langem auf Liegeräder: „Es ist ein bisschen so, als würde man das Radfahren noch einmal neu lernen. Eine gewisse Eingewöhnungszeit braucht man. Geschicklichkeit ist wichtig.“

Bei Liegerad-WM dabei

Seit 1999 gleiten sie in mobilen Liegestühlen durch die Gegend. Über einen Studienkollegen von Hanna Brunkhorst, der die ungewöhnlichen Vehikel gebaut hat, haben sie ihre Leidenschaft für das Radeln mit flachen Flundern entdeckt. Gemeinsam gehören sie der Oldenburger Liegeradgruppe an, unternehmen mit Gleichgesinnten Ausfahrten, nehmen sogar an Rennen teil, zum Beispiel im vorigen Jahr im Juni an der Liegerad-WM in Leer in der Klasse der Alltagsräder.

20 solcher Vehikel sind im Schuppen des Ehepaares verstaut – darunter vier Eigenkonstruktionen. Vom vier Meter langen Tandem, bei dem sich die beiden Sessel in entgegengesetzter Richtung befinden, bis zum dreirädrigem Trike reicht der Fuhrpark. „Ein bisschen Tüfteln und Schrauben gehört dazu“, sagt Dieter Hannemann. Für ihn ist das Liegeradfahren vor allem „Genuss“.

Bei längeren Touren übers Land benutzt er gerne Langlieger, bei denen das Tretlager hinter dem Vorderrad angeordnet ist und der große Radstand für Komfort beim Fahren sorgt. „Dann breitet sich vor mir die Landschaft wie in einem Panorama-Kino aus. Man fühlt sich frei“, schwärmt Hannemann. Im normalen Alltag verwendet er überwiegend Kurzlieger, die mit Abstand am meisten verbreitete Liegerad-Bauform. Sie sind etwa so lang wie ein gewöhnliches Fahrrad, haben aber neben der Tiefe einen ganz entscheidenden Unterschied: Bei ihnen befindet sich das Tretlager vor dem Vorderrad.

Um genauso schnell zu sein wie der normale Radler, ist dank des geringeren Luftwiderstands weniger Kraft nötig. „Man kommt mit weniger Anstrengung ans Ziel“, weiß der Sozialpädagoge. Verspannungen im Nacken kennt er ebenso wenig wie ein schmerzendes Hinterteil nach langer Fahrt.


Das Vorurteil, dass es gefährlich sei, Liegerad zu fahren, lässt Hannemann nicht gelten. Denn erstens fallen ungewöhnliche Räder im Verkehr mehr auf, zweitens herrsche in Oldenburg mehr Toleranz auf den Straßen als anderswo. Und drittens: Bei einem Sturz fliege man nicht über den Lenker und lande auf dem Kopf, sondern kippe zur Seite.

Regen im Schoß

Ein Nachteil, das gibt Hannemann zu, ist der fehlende Wetterschutz: „Bei Regen läuft einem das Wasser in den Schoß“. Schutz biete allenfalls die Vollverkleidung der Velo-Mobile, die allerdings sperriger und schwerer sind.

Noch mehr als mit einem gelben oder roten Velomobil erregen Hannemann und Co. indes mit Knicklenkern Aufsehen. Bei diesen Liegerädern wird nicht mit den Armen, sondern durch Gewichtsverlagerung und mit seitlichen Bewegungen aus der Hüfte gesteuert. „Flevonauten“ nennen sich die Freunde des freihändigen Fahrens innerhalb der Oldenburger Liegeradgruppe. „Wenn wir damit durch die Stadt fahren“, berichtet Dieter Hannemann, „gucken die Leute schon.“ Beim Radfahren die Hände in Schoß zu legen, ist eben nicht alltäglich – auch nicht in der Fahrradstadt Oldenburg.

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