Wildeshausen - Wo man welchen Einzelhandel ansiedelt, kann für die Entwicklung einer Stadt mitentscheidend sein. Gibt es lauter Magneten auf der grünen Wiese, verödet eine Innenstadt. Sperrt man großflächigen Einzelhandel mit immer neuen Auflagen aus, dann siedelt der sich halt woanders an. Und am Ende stimmen die Kunden mit ihrem Einkaufsverhalten ab.

Wildeshausen hat in den vergangenen Jahren auf den Spagat zwischen traditioneller Innenstadt und Großflächen am Westring gesetzt. Trotz mancher Kritik hat das durchaus funktioniert. Nachdem nun ein neues Einzelhandelsgutachten vorliegt, kann der Westring weiter entwickelt werden.

Ganz vorn auf der Liste der Interessenten steht Aldi. Seit zehn Jahren will man sich am Westring ansiedeln. Geklappt hat das bisher nicht. Doch nun hat sich der Handelsriese ein Grundstück in bester Lage gesichert – die Flächen von Hamann+Partner direkt gegenüber von Aldi. Wo derzeit noch alte Werkhallen stehen, will der Konzern in Eigenregie einen supermodernen Markt errichten.

Das Konzept stellten Manager des Unternehmens am Donnerstagabend in nicht öffentlicher Sitzung der Politik vor. Geht es nach Aldi, werde der alte Standort an der Dr.-Dürr-Straße aufgegeben. Ohne die Nachbarn Zimmermann und Deichmann würde man dann auf dem Hamann-Gelände investieren.

Für den Aldi-Vermieter wäre das natürlich ein herber Verlust. Deshalb, so eine Idee, solle sich Aldi doch als Mieter auf dem Edeka-Areal am Westring ansiedeln. Da hat – so nebenbei – der bisherige Aldi-Vermieter auch ein paar Eisen im Feuer.


Doch der Discounter will in Eigenregie bauen. Die Firmenstrategie sieht Eigentum vor. Außerdem wollen Kunden heute besonders breite Gänge und Parkplätze.

In das Monopoly-Spiel ist auch der Rat involviert. Denn dort werden die Bebauungspläne gemacht. Und die Hamann-Lösung stößt in Teilen der Politik wohl nicht auf große Gegenliebe. Warum? Das blieb angesichts der ausgeschlossenen Öffentlichkeit unklar.

Am Abend sprach sich hinter verschlossenen Türen der Verwaltungsausschuss grundsätzlich für eine Verlagerung bzw. Übertragung der Einzelhandelsnutzungen an den Westring aus. In der Mitteilung der Stadt wurde dabei ausdrücklich das Edeka-Areal genannt (wobei es um die Fläche neben dem Supermarkt gehen dürfte). Die Verwaltung wurde beauftragt, mit den Grundstückseigentümern weitere Verhandlungen zu führen und die erforderlichen städtebaulichen Verträge auszuarbeiten.

An der Dr.-Dürr-Str. soll nach den Vorstellungen des Verwaltungsausschusses langfristig eine Wohnnutzung entstehen. Darüber hinaus hat der Verwaltungsausschuss, so die Mitteilung, die notwendige Flächennutzungsplanänderung am Westring zur Umsetzung der Empfehlungen aus dem Einzelhandelsgutachten auf den Weg gebracht. In Kürze könne eine Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt werden.

Unterm Strich bedeutet das: Aldi ist (vorerst) mit seinem Konzept gescheitert. Man darf aber davon ausgehen, dass beim Monopoly hinter den Kulissen noch eine ganze Weile weiter verhandelt wird.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland