Gemeinsam mit seinem Sohn Hajo betreibt Friedrich Hübenthal die Imkerei als Hobby. Tausende Kilometer nimmt er dafür jährlich in Kauf.
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FRAGE:
Der Umgang mit Bienen ist ein aufwendiges Hobby. Was fasziniert Sie daran?
HÜBENTHAL
: Wie sind sehr naturverbunden und freuen uns schon, wenn das große Blühen losgeht. In den Wintermonaten reparieren wir die Bienenkästen oder verarbeiten das Bienenwachs. Mit dem Frühlingsbeginn gehen wir als Wanderimkerei auf große Fahrt.
FRAGE:
Wie unterscheidet sich eine Wanderimkerei von anderen?
HÜBENTHAL
: In der Zeit von Mitte April bis Ende September sind wir mit den Bienenvölkern unterwegs – und fahren bis zum Schwarzwald für den Tannenhonig. Dabei kommen wir pro Jahr auf bis zu 15 000 Kilometer. Für Akazienhonig aus Brandenburg zum Beispiel stellen wir dort für zwei Wochen unsere Bienenvölker ab. Meist haben wir einen Ansprechpartner vor Ort, einen Förster oder einen landwirtschaftlichen Betrieb, der die Bienenkörbe im Auge behält.
FRAGE:
Könnte man denn nicht auch in Norddeutschland produzieren?
HÜBENTHAL
: Sortenhonig lässt sich nicht herstellen, wenn nur vereinzelt Bäume in der Gegend wachsen. So machen wir uns für die Sorte Edelkastanie auf in die Pfalz. Zur Sonnenblumenblüte fahren wir zum Oderbruch, für Kornblumen zum Spreewald. Bei guter Ernte rentieren sich die langen Wege schon mal, aber eine ordentliche Portion Idealismus gehört natürlich auch dazu.
FRAGE:
Kann sich unter solchen Bedingungen noch Nachwuchs für dieses Hobby begeistern?
HÜBENTHAL
: Es gibt schon Probleme mit dem Nachwuchs. Es sind zwar Interessenten da; aber das ist eher die Ausnahme. Mehrere kleine Imkereien sind zwar noch da, aber das flächendeckende Netz fehlt. Deren Anzahl von Bienen reicht nicht aus, um die Flächen zu bestäuben.
FRAGE:
Welche Schwierigkeiten gibt es sonst noch?
HÜBENTHAL
: Der größte Feind der Honigbiene ist die so genannte Varroamilbe. Sie wurde in den 70er Jahren versehentlich von einem Professor aus Asien eingeführt. Dieser ungewollte Import hat fatale Auswirkungen. Die Milben befallen die Jungbrut und auch andere Bienen. Dabei beißen sie sich an den Tieren fest und saugen sie aus. Dieses Parasitentum ist mit einem Blutegel bei einem Säugetier zu vergleichen.
FRAGE:
Gibt es für diesen Befall Gegenmittel?
HÜBENTHAL
: Wir behandeln die Völker in der Zeit, solange die Bienen nicht in der Tracht sind, das heißt solange sie keinen Honig produzieren.Sonst kann man den Milben nichts entgegensetzen, das Absterben von der Hälfte der Honigbienen muss deshalb einkalkuliert werden.
Ein Bienenvolk
besteht aus bis zu 60 000 Tieren.
Im Bienenstock
herrschen meistens 35°Grad Celsius.