IMMER - Die Bildungsinitiative „Zwaig“ informierte über die Ausbildung zur Zimmerin. Ein sehr guter Hauptschulabschluss ist Voraussetzung.

Von Christian Quapp

Hoch oben auf einem Dachstuhl herumturnen, schwere Holzbohlen schleppen, an großen Kreissägen arbeiten – Zimmerer ist einer der klassischen Männerberufe. Wie ein Betriebsbesuch der Ausbildungsinitiative „Zwaig“ bei der Zimmerei Düßmann in Immer am Dienstag zeigte, setzen sich Frauen aber auch in diesem Beruf immer weiter durch. Katrin Schiller wird hier zur Zimmerin ausgebildet. Als die heute 23-Jährige sich bei ihm bewarb, habe er schon gestutzt, bekannte Friedrich Düßmann. Die Noten der Gymnasiastin und ein Praktikum überzeugten ihn schließlich. „Ich habe es nicht bereut, dass ich Katrin eingestellt habe“, sagte er jetzt. „Es macht Spaß, mit ihr zu arbeiten.“

Damit dieser Spaß aufkommt, so Düßmann, müsse ein Azubi mindestens einen sehr guten Hauptschulabschluss vorweisen können. „Unser Beruf erfordert so viel Physik und Geometrie, da muss das entsprechende Wissen einfach da sein.“ Meistens merke man sehr schnell, wer für den Beruf wirklich in Frage kommt. Das bestätigte auch Studiendirektor Horst Burghardt von den Berufsbildenden Schulen des Landkreises. „Es stellt sich im Berufsgrundbildungsjahr im praktischen Teil heraus. Spätestens nach vier Wochen wissen wir: Der wird ein Zimmerer, der eher Maurer und ein Dritter ist bei uns gar nicht richtig.“

Auch wenn sich Katrin Schiller von männlichen Azubis voll akzeptiert fühlt, ihr Chef achtet darauf, dass sie immer ein Stück weiter ist als die Kollegen. „Ich lasse sie immer wieder Stücke anfertigen, die eigentlich erst einige Monate später dran wären, damit sie dann später zeigen kann, dass sie damit schon Erfahrungen hat.“


So zufrieden wie ihr Chef ist auch Katrin Schiller. Nach der zwölften Klasse hatte sie das Fachgymnasium verlassen. „Ich war immer eher der praktische Typ“, erklärte sie. Bei der Ausbildungsbörse von „Zwaig“ in Ganderkesee sammelte sie Firmenadressen. „Die habe ich dann nacheinander abtelefoniert.“ Nicht überall fühlte sie sich mit ihrem Ausbildungswunsch ernst genommen: „Ich wollte nicht die Praktikantin sein, die nur den Boden fegt.“

Das Frauen im Zimmerer-Handwerk nicht überall eine Seltenheit sind, erklärte Carl-Willem Düßmann. Der 21-Jährige, der gerade seine Meisterprüfung abgelegt hat, weiß, dass im Süden Deutschlands wesentlich mehr Frauen als Zimmerin arbeiten. „Dort hat unser Beruf aber auch einen ganz anderen Stellenwert.“

Vor der Ausbildung absolvierte die junge Frau noch das Berufsgrundbildungsjahr Bau (BGJ). „Im Vergleich zu der Arbeit im Betrieb war das keine große Herausforderung“, meint sie heute. Das verpflichtende BGJ werden aber nicht mehr viele Auszubildende absolvieren, es soll 2009 abgeschafft werden. Für angehende Auszubildende im Zimmerer-Handwerk wie Katrin Schiller wird dann der Besuch der Berufsfachschule anstehen.