Wiesbaden/Oldenburg - In Deutschland haben im vergangenen Jahr so wenige junge Menschen eine Berufsausbildung begonnen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 516 200 Frauen und Männer traten eine duale Ausbildung an und damit 0,4 Prozent weniger als 2014, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.
Damit setzte sich der seit 2011 anhaltende Abwärtstrend bei den Neuverträgen fort. Gründe seien die geringere Zahl der Menschen in der Altersgruppe und die höhere Neigung zu studieren.
Relativ stabil zeigte sich das Handwerk, wo die Zahl der Neuverträge im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,2 Prozent zurückging. Im größeren Bereich Industrie und Handel wurden 1,1 Prozent weniger Verträge geschlossen.
„Die Unternehmen in Deutschland stemmen sich gegen den demografischen Trend und geben auch Leistungsschwächeren in den Betrieben Chancen auf Ausbildung“, erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. Angesichts eines „ungebrochenen Trends zum Studium“ und eines Rückgangs der bei der Bundesagentur gemeldeten Ausbildungsbewerber um knapp zwei Prozent im Jahresvergleich seien die aktuellen Zahlen ein gutes Ergebnis.
Wolfgang Jöhnk, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Oldenburg, wies darauf hin, dass im Kammerbezirk 2015 gegen den Bundestrend ein Plus von einem Prozent bei den neuen Ausbildungsverträgen erreicht wurde. Das sei „schon mal ein kleiner Schritt gegen den Trend.“ Seit vielen Jahren würden die Quoten der Gymnasiasten und Studierenden in den Jahrgängen steigen. Das Handwerk leiste „immer mehr Überzeugungsarbeit, dass die duale Ausbildung eine sehr attraktive Möglichkeit ist, Karriere zu machen“, sagte Jöhnk. Eine Imagekampagne greife das Thema in diesen Tagen auch in der Region mit Plakaten auf. „Erstes Gehalt mit 29? Ich hab‘ was Besseres vor!“, lautet ein Slogan.
Thomas Hildebrandt, Geschäftsführer bei der Oldenburgischen IHK, wies auf einen wenig beachteten Punkt hin: Die Orientierung der Eltern spiele beim Ausbildungsweg der Jugendlichen eine entscheidende Rolle – doch die Eltern seien selbst eben immer häufiger Akademiker.
