Nordenham - Seit einer Woche ist die Teestube im Bürgerhaus wieder geöffnet. Maria Groß-Bölting, die Leiterin des Arbeitslosenzentrums, atmet auf. Ein halbes Jahr lang hat sie auf einer Baustelle gearbeitet. An den Zustand hat sie sich schon fast gewöhnt. In dem Haus an der Viktoriastraße geben sich die Handwerker die Klinke in die Hand, seitdem es die Bürgerhaus-Stiftung 2006 gekauft hatte. In den vergangenen sechs Monaten hat es unter anderem eine energetische Rundumsanierung bekommen. Fenster und Wärmedämmung wurden erneuert. Und das wurde auch höchste Zeit, um die Energiekosten in dem 1906 gebauten Haus zu senken.
Fred Memenga ist stolz darauf, was in den vergangenen sechs Jahren mit Hilfe von Geldspenden sowie vergünstigten oder kostenlosen Handwerkerleistungen entstanden ist. Er spricht von einer Wertschöpfung von mehreren Hunderttausend Euro. „Ohne das Bürgerhaus gebe es keine Tafel, keinen Tauschring und viele weitere Projekte ebenfalls nicht.“
Für sozialen Frieden
Auch das Arbeitslosenzentrum hätte ohne das Bürgerhaus keine Bleibe. Über 1000 Beratungen finden hier im Jahr statt. Rund 36 000 Besuche werden jährlich gezählt. „Die Einrichtung trägt erheblich zum sozialen Frieden in Nordenham bei“, sagt Fred Memenga. Als das Arbeitslosenzentrum von 27 Jahren gegründet wurde, lag die Arbeitslosenquote bei 18 Prozent. Inzwischen ist sie deutlich niedriger. Dafür ist die Zahl der Geringverdiener, die ebenfalls zur Klientel des Arbeitslosenzentrums gehören, deutlich gestiegen, sagt Maria Groß-Bölting.
Dass in der Wesermarsch viele Menschen am Rande des Existenzminimums leben, zeigen auch die Schlangen, die sich am Bürgerhaus bilden, wenn die Tafel Lebensmittel ausgibt. Nach den Worten von Fred Memenga versorgt die Tafel inzwischen 800 Haushalte im ganzen Landkreis, darunter sind 256 Kinder unter zwölf Jahren. Die Zahl der Tafel-Kunden stagniert seit einigen Jahren. Auffällig sei aber, so Maria Groß-Bölting, dass immer mehr Rentner kommen. Sie schließt daraus, dass die Altersarmut deutlich zugenommen hat.
Hohe Hemmschwelle
Allerdings nehmen längst nicht alle, die dazu berechtigt sind, die Tafel auch in Anspruch. Nach den Worten von Fred Memenga gibt es in der Wesermarsch 7500 Hartz-IV-Empfänger. „Die Hemmschwelle ist hoch. Viele Menschen scheuen aus Scham den Weg zur Tafel.“ Die Einrichtung hat ihren Hauptsitz in Nordenham, weitere Ausgabestellen gibt es in Brake, Rodenkirchen und Burhave. Mehrfach ist der Wunsch an Fred Memenga herangetragen worden, auch in Elsfleth eine Ausgabestelle einzurichten. Das sei aber aus organisatorischen Gründen zurzeit nicht möglich.
Auch wenn insgesamt 45 Männer und Frauen ehrenamtlich für die Tafel im Einsatz sind, verursacht der Betrieb erhebliche Kosten. Allein der große Lieferwagen legt in der Woche 1000 Kilometer zurück. Die Benzinkosten belaufen sich auf 500 Euro im Monat. Deshalb ist die Tafel nach wie vor auf Spenden angewiesen.
Nach den Worten von Fred Memenga ist die finanzielle Unterstützung in Nordenham sehr gut. In Brake will Fred Memenga die Tafel noch bekannter machen, um mehr Sponsoren zu gewinnen.
