Bad Zwischenahn - Auf die Frage „Berge oder Meer“ antwortet Rolf Buch schnell: „Meer“. Auch bei „Kaffee oder Tee“ kommt prompt die Antwort: „Kaffee“. Zwischen den Wörtern „Gigant oder Krake“ will sich der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Wohnungsunternehmens namens Vonovia (Bochum) nicht festlegen. Auch bei „Schulz oder Merkel“ sagt er „lieber nichts dazu“.
Buch, gerade 52 Jahre alt geworden, leitet ein Wohnungsimperium. 350 000 Wohnungen sind in seinem Portfolio, 60 000 zusätzliche Einheiten hat er in der Verwaltung. Vonovia, früher Deutsche Annington, ist die einzige Immobilien-Aktie im Börsenindex Dax. Vor allem mit Zukäufen oder versuchten Übernahmen machte Buch in jüngster Zeit auf sich aufmerksam. „Gigant oder Krake“ titelten daraufhin die Wirtschaftsblätter.
Buch redet seit vier Jahren gerne über Wohnungen. So lange ist er Vorstandsvorsitzender der Vonovia. „Eine Wohnung“, sagt er, „kommt kurz nach der Liebe im Leben eines Menschen.“ Buch redet auch gerne über soziale Verantwortung, über den Wert eines loyalen Mieters. „Der Mieter und sein Mietvertrag stehen bei uns im Fokus, nicht das Gebäude.“ Das glauben ihm nicht alle. Schließlich sorgte zumindest die Deutsche Annington immer wieder für Schlagzeilen, in denen hauptsächlich Wörter wie „Mieterschreck“, „Abzocke“ und „Schimmel“ vorkamen. „Das war auch so, was soll ich da beschönigen?“ Das Unternehmen habe damals kurz vor der Pleite gestanden, sagte Buch im Rahmen der Zwischenahner Gespräche, zu denen der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen eingeladen hatte.
Ohne den Börsengang, der damals 500 Millionen Euro in die Kassen spülte, hätte es Annington und damit heute Vonovia wohl nicht mehr gegeben. Buch stellte als neuer Boss das Unternehmen komplett auf den Kopf und setzt seitdem auf langfristige Investitionen. Früher bestimmte das Private-Equity-Kapital den Weg. Als börsennotiertes Unternehmen greift der Kapitalmarkt nun nicht mehr aktiv in sein Geschäft ein. Heute definiert der Vorstand ein Geschäftsmodell und die Investoren entscheiden dann, ob sie Aktien kaufen oder eben nicht. Buch investiert mehrere Hundert Millionen in die Wohnungen. Das trieb zumindest die „Heuschrecken“ vom Hof, die auf schnellen Gewinn aus waren. „Wir haben heute keine aktiven Investoren mehr, wir haben passive“ – vor allem Pensionsfonds, die auch in 30 Jahren eine stabile Situation vorfinden wollen.
Was macht denn nun für Buch eine gute Wohnung und eine gute Wohngegend aus? Da wäre zuerst der Zuschnitt der Wohnung, der muss für den Mieter stimmen. Buch selbst schaut zuerst aufs Bad. Das sei der Raum, den der Mieter am wenigsten aus eigener Kraft verändern kann. Vonovia-Wohnungen, zumindest die sanierten, haben keine Badewanne mehr, nur noch ebenerdige Duschen.
Der Mietermix sei entscheidend. Objektbetreuer bei Vonovia müssen auf einen gesunden Mix achten. Ein Objekt, in dem nur „alleinstehende Väter“ wohnen, funktioniere nicht. Auch nur Betuchte oder nur Flüchtlinge findet man in keinem Vonovia-Haus. „Ich bin der festen Überzeugung, dass zwei Flüchtlingsfamilien in einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Einheiten optimal integriert werden können.“ Die Zusammensetzung entscheide, ob sich der Mieter wohlfühle und damit gerne und lange in der Wohnung leben möchte.
Von der Politik wünscht sich Buch klare Aussagen. Wir wollen bezahlbaren Wohnraum anbieten. Deshalb müssten die Kosten für Neubau und Modernisierung im Rahmen bleiben. Aus seiner Sicht „Kostentreiber“ wie etwa erhöhte energetische Auflagen oder die Diskussion um ein Anheben von Grund- und Grunderwerbsteuer „führen sicherlich nicht zu mehr bezahlbaren Wohnungen – kostenintensive Auflagen und ein geforderter Mietpreis von sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter funktionieren nicht“. Zudem fordert Buch eine Verdichtung. Vor allem in Großstädten wie Berlin beispielsweise möchte Buch aufstocken und anbauen. „Da sehe ich alleine bei uns noch eine Möglichkeit 26 000 zusätzliche Wohnungen zu bauen.“ 40 Minuten plauderte Buch in Bad Zwischenahn.
Am Ende verriet er noch, wie er selbst seinen Lebensabend verbringen möchte. „In einer Wohnung, nicht in einem Pflegeheim, mit meiner Frau und – wenn es nötig wird – mit einem Pfleger oder einer Pflegerin, die mir in der Wohnung hilft.“
