IMMER - Einen neuen „Patienten“ hat seit kurzem Hans-Hermann Klaas, Sachverständiger für Baumpflege, aus Ganderkesee. Hans Witte, Eigentümer der gleichnamigen Gaststätte in Immer, hatte den „Baumdoktor“ gerufen, um die etwa 115 Jahre alte Blutbuche im Garten des Traditionslokals zu retten.

Schon mehrfach habe der 28 Meter hohe Baum bei starkem Wind auf das nur wenige Meter entfernt stehende Gebäude zu stürzen gedroht, berichtet Hans Witte, der selbst mit und unter dem Baum aufgewachsen ist. Während eines schweren Sturmes 1972 sei ein Unglück wohl nur dadurch verhindert worden, dass die Blutbuche kurz zuvor plötzlich alle ihre Blätter abgeworfen hatte und so weniger Angriffsfläche für den Wind bot.

Gepflanzt worden war die Buche in den 1890er-Jahren während des Baus der Bahnstrecke Bremen-Wildeshausen. Ein Bauarbeiter habe damals einen etwa einen Meter hohen Ableger aus seinem Garten in Dingstede mitgebracht, berichtet Witte. Sein Großvater Friedrich gründetete den Immeraner Familienbetrieb wenig später – kurz nach der Inbetriebnahme des Bahnhofs 1896.

Eine Umsturzgefahr geht weder vom Alter noch von der Höhe des Baumes aus. Bei seiner ersten Begutachtung im vorigen Jahr hatte Hans-Hermann Klaas jedoch einen Rindenpilz-Befall festgestellt. Zusätzlich gefährdet ein „Zwiesel“, eine Gabelung des Stammes in zwei starke Stämmlinge, die Stabilität. „Die beiden Stämme driften immer weiter auseinander und einer drohte auszubrechen“, erklärt Klaas.

Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Bert Eilers schnitt der Baumpflege-Sachverständige deshalb am Freitag die Krone der Blutbuche zurück, um deren Gewicht zu reduzieren, und legte in luftiger Höhe zwischen den Zwieseln eine Baumsicherung aus Gurten an, die im Falle des Ausbrechens das Herabfallen des Stämmlings verhindern soll.


Durchaus noch 50 bis 60 Jahre Lebenszeit gibt Klaas der Buche – allerdings nur dann, wenn Stresssituationen wie schädigende Umwelteinflüsse oder extreme Trockenheit ausblieben und wenn auch das Pilzwachstum nicht zunehme, wie er erläutert. „Aber der Baum bleibt weiterhin ein Patient“, so Hans-Hermann Klaas. In den kommenden Jahren wolle er den Zustand einmal jährlich kontrollieren.