Bremerhaven/Elsfleth - Die sinkende Zahl deutscher Seeleute auf Schiffen könnte Lotsen, Schiffsverwaltungen und andere maritime Betriebe künftig vor Nachwuchsschwierigkeiten stellen. „Das Problem ist, dass die jungen Leute keine Praxiserfahrungen mehr an Bord sammeln können“, sagte Prof. Ralf Wandelt, Dekan für Seefahrt an der Jade Hochschule in Elsfleth (Kreis Wesermarsch). Diese seien für viele Berufe aber notwendig.

Seit Beginn der Schifffahrtskrise setzen viele deutsche Reeder verstärkt auf ausländische Nautiker, um Kosten zu sparen. Zu Jahresbeginn sank die Zahl der deutschen Seeleute laut des Verbands Deutscher Reeder (VDR) auf etwa 6700 und damit erstmals seit 2008 auf unter 7000. Eine Bundesratsinitiative will die Beschäftigung deutscher Seeleute wieder attraktiver machen. Demnach sollen die Reeder künftig deren Lohnsteuer komplett einbehalten können.

„Wir halten das für ein geeignetes Instrument, um die Reeder bei den Personalkosten unter deutscher Flagge spürbar zu entlasten und im europäischen Raum konkurrenzfähiger zu machen“, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums. Dieser Vorstoß von den norddeutschen Bundesländern und andere Entlastungen für Reeder sollen auch Thema auf der Nationalen Maritimen Konferenz an diesem Montag und Dienstag in Bremerhaven sein.

Die Gewerkschaft Verdi hält den Lohnsteuereinbehalt deshalb für einen richtigen Schritt. „Dieser muss aber mit der Verpflichtung verbunden sein, dass die Reeder tatsächlich deutsche Seeleute einstellen“, sagte Verdi-Schifffahrtsexperte Klaus Schroeter.

Auch Professor Wandelt fordert, die Entlastung an Bedingungen zu knüpfen. Eine davon wäre, dass die Reeder in die Ausbildung junger Seeleute investieren – „selbst dann, wenn sie nicht unmittelbar profitieren“.