Von Klaus-Peter Jordan
Frage:
Bisher kam die Blauzungenkrankheit nur in südlichen Klimazonen vor. Hat die Ausbreitung nach Norden eventuell auch etwas mit dem Klimawandel zu tun?Korte:
Der milde Winter und das Frühjahr mit sehr hohen Temperaturen haben die Zunahme der Stechmücken als Überträger des Virus begünstigt und somit zur Verbreitung der Krankheit beigetragen. Das in Deutschland auftretende Virus, als Serotyp 8 bezeichnet, war bisher nur in Afrika bekannt, so dass die Einschleppung auf illegale Tiertransporte z.B. von Zootieren zurückzuführen ist und somit nichts mit dem Klimawandel zu tun hat.Frage:
Wie Sie sagen, erfolgt die Übertragung durch Stechmücken. Wird die Seuche jetzt mit den kühleren Temperaturen abebben?Korte:
Bei Temperaturen unter 12 Grad Celsius nimmt die Aktivität der Stechmücken, der Gnitzen, deutlich ab, was einen Rückgang der Neuausbrüche zur Folge haben dürfte. Ein Winter mit kräftigen Nachtfrösten könnte die Anzahl der Gnitzenlarven deutlich reduzieren und damit den Krankheitsdruck 2008 minimieren.Frage:
Warum gibt es noch keinen Impfstoff gegen die Krankheit?Korte:
Gegen das Virus Serotyp 8 gibt es derzeit weltweit keinen einsetzbaren Totimpfstoff. Insgesamt sind bei der Krankheit 24 Serotypen bekannt. Der in Südeuropa eingesetzte Impfstoff ist bei uns nicht wirksam. Zwei Unternehmen entwickeln aktuell einen entsprechenden Impfstoff dessen Praxistauglichkeit und Zulassung nicht vor 2008 erwartet wird. Wir fordern, die Zulassung aus Gründen des Tierschutzes und wirtschaftlichen Aspekten bis zum Frühjahr 2008 sicherzustellen.Aktuell arbeiten zwei Unternehmen an einem Impfstoff gegen das hiesige Virus der Blauzungenkrankheit, weiß Heinz Korte, Vorsitzender des Tieseuchenausschusses des Niedersächsischen Landvolks.
