Horumersiel - Dass die Mutter/Vater-Kind-Kuren auch in Zukunft notwendig sind, betonten alle Redner bei der Jubiläumsveranstaltung „25 Jahre Friesenhörn-Nordsee-Kliniken“ in Horumersiel am Donnerstag mit Nachdruck.

Die Kurkliniken hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem Erholungsort für die Mütter der ersten Nachkriegsgeneration zu therapeutischen Zentren entwickelt, in denen unter anderem psychisch Kranke behandelt werden. Lag der Fokus einst ausschließlich auf der Mutter, liegt er heute auf der ganzen Familie. Seit einiger Zeit können auch Väter eine derartige Kur beantragen.

Mehrfachbelastungen durch Familie, Haushalt und Beruf, eng getaktete Zeitpläne und wenig Zeit für die Beschäftigung mit sich selbst und den Kindern – das kann laut Klinikleiterin Hannah Janssen krank machen. „Wir behandeln inzwischen viele depressive Menschen, Menschen, die bis zur Erschöpfung gearbeitet haben und nicht mehr weiter wissen“, sagt sie. Die meisten der Patientinnen arbeiten, nicht-erwerbstätige Frauen seien die Ausnahme. „Kinder sind abhängig von der Gesundheit ihrer Eltern, geht es den Eltern schlecht, überträgt sich alles auf das Kind – keine guten Voraussetzungen“, betont die Psychologin.

Und auch unter dem Aspekt der Arbeitnehmergesundheit sei das Kurangebot notwendig und wichtig, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). „Wir sind auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels angewiesen auf Frauen als Arbeitnehmerinnen, wir können nicht mehr auf sie verzichten“, mahnte er.

Die Friesenhörn-Kliniken in Horumersiel und Dangast sind spezialisiert auf Mütter mit ihren Kindern, sie bieten 700 Betten – in 25 Jahren kommen die Kliniken auf 3,7 Millionen Übernachtungen, 60 000 Mütter und 90 000 Kinder haben bisher Kuren in Anspruch genommen.


Die Kliniken sind in privater Trägerschaft der Familie Ewald, 1989 wurde die Klinik in Horumersiel, 1994 die Klinik in Dangast eröffnet. Seit 1989 haben die Gesellschafter 40 Millionen Euro in die Kliniken investiert. 94 Prozent der Patienten kommen von den gesetzlichen Krankenkassen, sechs Prozent von den privaten Krankenkassen.

„Wir haben eine mehrjährige Berg- und Talfahrt erlebt“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Bruns. Wie berichtet, hatten Kurkliniken auch im Landkreis Friesland in den vergangenen Jahren mit Einbrüchen bei den Belegungszahlen zu kämpfen, mussten teils wegen ausgefallener Kuren auf Kurzarbeit umstellen. Denn die Krankenkassen hatten deutlich weniger Kuren bewilligt.

Ein Prüfbericht des Bundesrechnungshofs 2011, wonach Kassen damals eine willkürliche Genehmigungspraxis bei Kuranträgen nachgewiesen werden konnte, führte schließlich zu Veränderungen im Bewilligungsverfahren von Mutter-/Vater-Kind-Kuren. Seit 2007 gibt es einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf die Kuren, betonte Bruns.

Inzwischen wurde die uneinheitliche Bewilligungspraxis harmonisiert und das zum Teil willkürliche Begutachtungs- und Entscheidungsverfahren bei den Krankenkassen vereinheitlicht. „Das hat zu einer Verbesserung der Belegungszahlen geführt, was bedeutet, dass alle, die eine Kur brauchen, auch eine bewilligt bekommen“, sagte Bruns.

Anerkennung für das, was die Gesellschafter und die 340 Mitarbeiter geleistet haben, gab es unter anderem von Kinderliedermacher Rolf Zuckowski und Olaf Lies.