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Klettergarten In den Baumkronen die Angst besiegen

Linda Grüneisen

Mitteldeich - Christian Warnke (34) steht, umgeben von mächtigen Bäume, auf einer sattgrünen Wiese, legt den Kopf in den Nacken und ruft in Richtung der Baumkronen: „Na Lukas, was glaubst du, wie hoch du jetzt gerade bist?“ Sein vierjähriger Sohn, der mit Karabinerhaken und Seilen gesichert ist, überlegt kurz und hat dann die Antwort parat: „So ungefähr hundert-hundert Meter!“

Und genau so fühlt sich das auch an, wenn man auf der letzten Kletterplattform angelangt ist und sich ein letztes Mal überwinden muss, um die längste und höchste der drei Seilbahnen zu benutzen und wieder auf den sicheren Erdboden zurück zu gelangen. Lukas ist zum ersten Mal zu Besuch im Klettergarten in Mitteldeich.

Zu Beginn dieses aufregenden Tages hatte er mitten auf der ersten von insgesamt vier Kletterstecken aufgegeben und von seinem Papa auf die Erde zurückgebracht werden müssen. Doch diesmal überwindet Lukas seine Angst und schafft den Parcours. Als er stolz und mit glühenden Wangen aus seiner Gurtgarnitur steigt, freuen sich auch seine Mutter Kati Warnke (34) und seine Zwillingsschwestern Lisa und Laura (13) mit ihm.

Familie ist begeistert

Die Familie, die im Bergischen Land zu Hause ist, kommt seit vielen Jahren regelmäßig nach Butjadingen. „Der erste Ausflug geht immer zum Klettergarten“, verrät Kati Warnke. Die Zwillinge waren zum ersten Mal im Alter von fünf Jahren dabei. Vor vier Jahren konnte Kati Warnke die Kletteraktionen ihrer Familie nur vom gemütlichen Biergarten aus beobachten, da zu dieser Zeit Lukas unterwegs war. Und nun, nach dreijähriger Pause, ist der jüngste Spross der Familie bereits mit von der Partie.

„Menschen, die aus Neugierde hier landen, diese einzigartige Atmosphäre erleben und dann immer wieder herkommen, ihre Erlebnisse weitererzählen und dadurch andere Menschen neugierig machen – genau das macht den Klettergarten aus“, schwärmt Betreiber Stephan Rasper.


Der 54-Jährige ist ein Visionär, der seine Träume nicht nur träumt, sondern in die Tat umsetzt. Und zwar in Eigenleistung. Tag für Tag. Der Berliner, der 1983 zunächst ein Haus in Mitteldeich und später das Grundstück, auf dem sich heute der Klettergarten befindet, erworben hatte, ist gelernter Tischler.

„Bei der Arbeit war es immer so, dass man etwas mit den eigenen Händen schuf, es liebevoll fertigstellte und schließlich an den Kunden auslieferte. Aber danach bekam man nichts mehr von der Freude mit, die das Werkstück anderen bereitete. Das hat mich immer gestört“, erzählt Stephan Rasper. „Also habe ich mich eines Abends mit einer Flasche Wein hingesetzt und drei Listen geschrieben: Was habe ich? Was kann ich? Was will ich?“

Was er wollte, war nach dieser Nacht klar: einen „Begegnungsort schaffen, der Spaß macht und emotional geladen ist.“ Nach anderthalb Jahren harter Arbeit entstand vor nunmehr neun Jahren der Mitteldeicher Klettergarten.

Immer neue Ideen

Familie Warnke hat die Entwicklung des Klettergartens Schritt für Schritt miterlebt. „Anfangs gab es nur zwei Strecken“, erinnert sich Kati Warnke. „Aber Stephan hatte immer neue Ideen. Und jedes Mal fragten wir uns, ob die Ziele, die er sich Jahr für Jahr gesteckt hatte, wohl bis zu unserem nächsten Urlaub erreicht sein würden.“

Dass das nur mit viel Disziplin und einem unerschöpflichen Vorrat an Motivation und Energie gelingen konnte, wird schnell klar, wenn man Stephan Rasper bei seiner Arbeit beobachtet: Er weist die Besucher in Sicherheitsfragen ein, gibt Kaffee und Kaltgetränke aus, steht mit viel Geduld und aufmunternden Worten zur Seite, wenn ein Gast an seine Grenzen kommt und auf einer Kletterplattform „hängenbleibt“. Notfalls klettert er selbst flink durch den Parcours, um hier ein Teller-Element und dort einen Tritt zu erneuern oder ein Stahlseil zu überprüfen. „An diesem Spielplatz schraubt man das ganze Jahr.“ Seine Augen leuchten, wenn er das sagt.

Der Klettergarten in Mitteldeich hat von März bis November täglich geöffnet. Das bedeutet für Stephan Rasper, dass er täglich vor Ort sein muss. Er liebt Butjadingen und das Umland, veranstaltet zusätzlich zum Tagesgeschäft Begegnungsaktionen und Konzertabende und bietet den Besuchern zwei Kanus an, die sie nach dem Klettern kostenfrei nutzen dürfen, um auf dem Siel zu paddeln.

Bis zum nächsten Konzertabend am 20. August möchte Stephan Rasper die Verkleidung des Kassenhäuschens, in dem sich neben einer kleinen Werkstatt auch der Kiosk und eine Küche befinden, in Angriff nehmen. Behindertengerechte Toiletten sind ebenfalls geplant, und ein Baumhaus zu bauen, ist ein weiterer Traum, den Stephan Rasper irgendwann umsetzen wird.

Die Ideen jedenfalls werden ihm ganz sicher nicht ausgehen – auch nicht, wenn in Mitteldeich im kommenden Jahr das zehnjährige Bestehen des Klettergarten gefeiert wird.

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