„Wir sind verführt worden“, Ð vom 5. Mai
In sowjetischer Haft war ich mit deutschen Soldaten zusammen, die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom sowjetischen Militärtribunal zu lebenslänglich zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt wurden. Einige davon erzählten uns Jugendlichen, die wir noch immer überzeugte Mitglieder der Hitlerjugend waren, von den Verbrechen, die sie im Auftrage Hitlers begangen hatten. Sie erzählten es uns, weil sie auch Jungen und Mädel in unserem Alter hatten und hofften, dass sich auch irgendjemand findet, der ihren Kindern von den Verbrechen erzählt.
Damals fragten wir uns: Wenn es keine Kapitulation gegeben hätte, wären wir mit unserer Überzeugung den Weg so weiter gegangen, hätten wir genauso gehandelt, wie diese Soldaten? Ich bin davon überzeugt, vielleicht bis auf Wenige: ja.
Heute wissen wir, dass man uns missbrauchte, uns die Unbeschwertheit der Jugendzeit nahm.
Heinrich Kalmer, Großenmeer
