Friesoythe - Die Notaufnahmen in Niedersachsen haben mit gewaltigen Patientenzahlen zu kämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Auch im St.-Marien-Hospital in Frie-soythe ist die Situation angespannt, wie Bernd Wessels, Geschäftsführer des Krankenhauses, auf Nachfrage der NWZ  bestätigt.

Schon seit einigen Jahren gebe es im Krankenhaus auch einen hausärztlichen Notdienst. Seit etwa einem halben Jahr ist solch eine Zusammenarbeit per Bundesgesetz vorgeschrieben. „Unabhängig davon ist es aber jedem Patienten freigestellt, in die Ambulanz des Krankenhauses zu gehen“, sagt Wessels.

Und diese Möglichkeit wird von vielen Patienten wahrgenommen. Statt den Hausarzt aufzusuchen gehen sie ins Krankenhaus. Dafür gibt es aus Patientensicht laut Wessels auch gute Gründe: „Ein Hausarzt ist während der Notdienstzeiten meistens allein oder hat noch eine Helferin dabei. Im Krankenhaus sind dagegen viel mehr beschäftigt.“ So könne eben auch nachts und am Wochenende sichergestellt werden, dass immer ein richtiger Fachmann zur Stelle ist.

Dazu komme, dass die Wartezeiten in der Notfallambulanz des Krankenhauses für gewöhnlich kürzer sind. Auch die Ergebnisse von Blutuntersuchungen und ähnlichem lägen sehr viel früher vor, als das etwa beim Hausarzt der Fall sei. „Es ist einfach viel bequemer, gleich ins Krankenhaus zu gehen“, sagt Wessels.

Und das macht sich auch in den Zahlen bemerkbar: Kamen 2009 noch 9907 Menschen in die Friesoyther Notaufnahme, waren es im vergangenen Jahr 14 199 – ein Plus von rund 43 Prozent. Und der Trend setzt sich fort: Im Januar 2015 kamen noch 1220 Menschen in die Notaufnahme, im Januar dieses Jahres waren es 1327. Eigentlich sollte sich das Krankenhaus über die vielen Patienten freuen, schließlich verdient die Klinik mit ihnen Geld. In der Notfallambulanz ist das aber nicht der Fall. „Die Notaufnahme ist unterfinanziert“, sagt Wessels. Mit ihrem Betrieb fahre das Krankenhaus Verluste ein.


Das Problem: Das St.-Marien-Hospital hält, wie alle Krankenhäuser, auch zu Notdienstzeiten erheblich mehr Personal vor als eine Hausarztpraxis. Für die Behandlung im Krankenhaus gibt es aber weniger Geld, als für die Behandlung beim Hausarzt. Das liegt an der Trennung zwischen Hausärzten und Krankenhäusern in zwei eigene Sektoren. „Das, was wir an Struktur vorhalten, wird nicht bezahlt“, klagt Wessels. Aber können die weniger schweren Fälle nicht einfach zum Hausarzt geschickt werden? „Wenn wir uns weigern, einen Patienten zu behandeln, machen wir uns strafbar“, erklärt Wessels.

Als noch die Praxisgebühr erhoben wurde, sei die Situation für die Kliniken entspannter gewesen, erklärt Rita Timmermann, Leiterin der interdisziplinären Ambulanz. Da mussten die Patienten nämlich, auch wenn sie die Gebühr bereits in einer Arztpraxis entrichtet hatten, in der Notaufnahme noch einmal zahlen. Jetzt kämen aber auch immer mehr Patienten in die Notaufnahme, die keine Notfälle seien. „Für die richtigen Notfälle bleibt dann kaum noch Zeit.“

Wessels will keinesfalls einen Streit mit den Hausärzten vom Zaun brechen; schließlich arbeiten über das medizinische Versorgungszentrum auch einige Hausärzte für das Krankenhaus, die auch am hausärztlichen Notdienst teilnehmen. „Aber mit dem Geld, das wir bekommen, wird unser Aufwand nicht gedeckt.“