Hundsmühlen - Die ersten Radieschen wurden geerntet, die Zucchini haben bereits ihre kräftigen orangefarbenen Blüten gezeigt und auch die Bohnen ranken munter an einem selbstgezimmerten Holzgestell empor: Es wächst, blüht und gedeiht auf dem Feld gegenüber der Milchtankstelle in Hundsmühlen.
Rund 30 Hobbygärtner haben sich hier auf 16 Parzellen Gemüse angepflanzt. Die Idee zu diesem Selbstversorgerfeld hatte Junglandwirt Dirk Freese. Auf einem seiner Äcker an der Ecke Achternmeer Straße/Am Querkanal können Bürger, anders als in Schrebergartenvereinen, ohne langen Pachtvertrag auf einem vom Fachmann vorbereiteten Acker nach Herzenslust eigenes Gemüse anbauen.
„Für mich war das genau das Richtige“, sagt Karen Köster-Knop. Die Oldenburgerin hatte früher einen großen Garten, jetzt aber nur noch einen Balkon. „Ich war schon mal zwei Jahre in einem Schrebergartenverein. Da musste man auch viel Gemeinschaftsarbeit leisten. Das wurde mir zu viel“, erzählt die Mutter von zwei Kindern, die ihre Sprösslinge möglichst gesund ernähren möchte. Die Kinder äßen gerne Rohkost.
Auch Elfi und Bernd Press aus Hundsmühlen, die 600 Meter Luftlinie entfernt wohnen, genießen ihre eigene, frische Ware. Zwar hätten sie zu Hause einen Garten, aber der sei zu klein. Bei Dirk Freese bauen sie auf zehn Quadratmetern Kartoffeln, Zwiebeln, Kohlrabi und einiges mehr an.
An diesem Nachmittag ist auch Elke Riesmeier aus Eversten geschäftig bei der Sache. Auch sie hat erst einmal zehn Quadratmeter Fläche angemietet. „Nächstes Jahr nehme ich vielleicht noch fünf dazu“, überlegt die Reihenhausbewohnern mit Minigarten.
Und nicht nur ihr gefällt, dass Landwirt Freese ihre Parzelle rechtzeitig vorbereitet und Arbeitsgerät sowie einen Wassertank zur Verfügung stellt. „Ich habe einen kleinen Schuppen aufgestellt, der mit einem Zahlenschloss gesichert ist. Alle Pächter kennen den Code und können sich nehmen, was sie brauchen“, erklärt Dirk Freese.
Das Schrebergarten-Experiment passt auch ganz ins Lebenskonzept von Hannelore Adams und Klaus Hien aus Oldenburg. Sie sind Anhänger der Slowfood-Bewegung, die sich für eine genussvollere und bewusstere Ernährung einsetzt. Sie teilen sich ihre 70 -m²-Parzelle mit einer befreundeten Familie. „Solche Flächen müsste es noch viel mehr geben, vor allem in den Städten“, findet Klaus Hien, der früher, so gesteht er, mit Gartenarbeit so gar nichts am Hut hatte. Als Ruheständler habe er nun die Zeit, und es mache ihm viel Spaß.
Neben den Pflanzen wächst auch die Gemeinschaft der Parzellenpächter. „Man gießt schon mal mit, wenn jemand im Urlaub ist oder tauscht Erfahrungen aus“, berichten gleiche mehrere „Gemüsebauern“. Vielleicht wolle man sogar ein gemeinsames Erntefest feiern.
