Jade/Ovelgönne - Der Baumkronenturm im Bollenhagener Wald steht: Rund 200 000 Euro wurden in das Bauwerk investiert, sagte jetzt Jutta Krämer von der Flächenagentur im Landkreis Wesermarsch. Sie freut sich, dass das Projekt mit Mitteln der Europäischen Union, Fonds für regionale Entwicklung, realisiert werden konnte.
Der Baumkronenturm misst 12,80 Meter ab Bodenhöhe. Zwei großzügige Plattformen von 4,50 mal 4 Metern sind über einander angeordnet. Der Turm basiert auf einer verzinkten Stahlkonstruktion. Er wurde dann mit Lärchenleisten verkleidet. Enorme Kraftanstrengungen waren bei der Gründung erforderlich. Insgesamt acht Stahlrohre, 40 Zentimeter im Durchmesser, wurden in die Erde getrieben, und mit Beton ausgefüllt. Die ersten sechs Meter im Moor waren noch einfach, zusätzlich waren 4 Meter durch den Sand notwendig, dafür war schweres Gerät erforderlich.
Mehrere Plattformen
Mit dem Turm wurde auch der 2. Abschnitt des Bollenhagener Waldes eingeweiht. Dafür konnte Meike Lücke vom Landkreis Leadermittel für die Finanzierung locker machen. Insgesamt umfasst der Wald eine Fläche von 130 Hektar.
Der stellvertretende Landrat Karlheinz Ranft (SPD) ging in seiner Festansprache auf die Entwicklung Bollenhagener Waldes ein. Sie begann im Jahr 2003 mit dem Ankauf der Stadt Wilhelmshaven als Ausgleichsfläche. 2006/2007 erfolgte die Entwicklungsplanung und Kartierung vom Landesforstamt Neuenburg. Die ersten 70 Hektar wurden danach gepflanzt. Wanderwege, „Grünes Klassenzimmer“ und Bohlenweg wurden angelegt, der Ausstellungswagen „Bollwerk“ hergerichtet. Den Besucherstrom hat eine Studentin der Uni Oldenburg ermittelt: 5000 Besucher im Jahr. Tendenz zunehmend.
20 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die „Bollwerk“-Führungen. Auch Theaterwanderungen und weitere Veranstaltungen rund um das „Bollwerk“ wurden bereits angeboten. Vom Parkplatz an der Straße „An der Dornebbe“ kann man nun auch die restlichen 60 Hektar Wald erkunden, die Wege sind längst angelegt.
Zur feierlichen Eröffnung , durchschnitt Ranft das Flatterband am neuen Holzschnitzelpfad. Und ein Tross der Besucher – voran die Dudelsackspieler der „Happy German Bagpipers“ machte sich dann auf den neuen Weg. Nach gut 100 Metern auf dem Pfad ging es über eine neue Holzbrücke zum kleinen Fluss Dornebbe, der in die Jade mündet. Über die Dornebbe gelangt man dann in den neuen 2. Abschnitt des Bollenhagener Waldes.
Bevor der ersehnte Turmaufstieg beginnen konnte, stand am Turm noch eine Zeitreise mit den Laienschauspielerin Elke Moorbeck-Böse aus Ovelgönne an. In vier verschiedenen Kostümen trat sie als Frau Oncken (um 1850), als Frau Strangmann (um 1900), als Graf Gerd der Mutige (um 1500) und als Römer von vor 2000 Jahren auf. In der beginnenden Dämmerung setzte die Feuerwehr Südbollenhagen mit ihren Flutlichtmasten die Szenen ins richtige Licht.
Weltweit 60 Objekte
Den Baumkronenturm hat Architekt Andreas Wenning (49) entwickelt. Er hat sich auf Baumhäuser und naturbezogene Projekte spezialisiert. Weltweit hat er 60 Objekte – unter anderem auch in Brasilen und Argentinien – kreiert. Sein erstes Baumhaus wurde vor zwölf Jahren bei Bassum errichtet. In Bollenhagen dauerten die Planungen bis zur Verwirklichung rund zweieinhalb Jahre.
„Ich möchte Räume schaffen, in denen man zu sich kommt und die Natur in aller Ruhe wahrnehmen kann“, sagte Wenning. Jades Bürgermeister Hennning Kaars (UWG) lobte das Projekt und mahnte, den Turm pfleglich zu behandeln und sich dementsprechend zu verhalten. Die Tür zum Turm werde stets geöffnet sein. Ausnahmen gebe es nur bei Extrem-Wetter oder bei Glatteis.
