Kreyenbrück - Das Bimmeln von Fahrradklingeln, das leise Surren und Tackern einer Nähmaschine und Gespräche und Lachen aus allen Ecken. Diese Geräusche vernimmt jeder, der das Repair-Café in der IGS Kreyenbrück betritt – und zu sehen gibt es mindestens genauso viel.
„Repair“, zu deutsch Reparieren, bedeutet, dass kaputte Gegenstände repariert werden, anstatt sie wegzuwerfen. Darin unterrichtet Techniklehrer Christian Dierking seine Schüler im Fach „Lernen durch Engagement“.
Im März 2016 kam er zusammen mit seinen Schülern auf die Idee, ein Repair-Café zu eröffnen. Seitdem werden an jedem zweiten Freitag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr durchschnittlich 20 Aufträge entgegen genommen und kostenlos von Schülern und ehrenamtlichen Mitarbeitern repariert. Alte Röhrenradios spielen plötzlich wieder Musik, eine Taschenlampe spendet wieder Licht, oder die Räder eines Fahrrads können wieder rollen. „Unser Projekt stellt sich gegen die Wegwerfgesellschaft“ erzählt Dierking. Kleinere Ersatzteile und neues Werkzeug können durch Spenden der zufriedenen Auftraggeber finanziert werden.
„Wenn die Leute ihre Erinnerungsstücke wieder heile mit nach Hause nehmen können, freuen sie sich wirklich unfassbar doll“, weiß Dierking.
Vor allem das sogenannte „Upcycling“ ist eine Besonderheit im Repair-Café. Dabei geht es um eine stoffliche Aufwertung von Materialen, die normalerweise weggeworfen werden würden.
„Es macht mir Spaß zu zeigen, dass man nicht immer alles kaufen muss“ berichtet die ehrenamtliche Mitarbeiterin Sigrid Eichelberg. Sie ist der kreative Kopf, wenn es ums Upcycling geht. Eine Badetasche aus einer Lacktischdecke und Vorhangstoff oder eine Clutch (eine Handtasche) aus einem alten Kaffeepaket: Sigrid Eichelberg hat ständig neue Ideen, aus etwas Altem etwas Besseres zu basteln.
Auch Briefumschläge aus Notenpapier sind flugs gemacht. „Die schmeißt so schnell keiner weg.“, sagt Eichelberg. Genau darum geht es beim Upcycling – um Nachhaltigkeit. Die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg kooperiert innerhalb eines Nachhaltigkeitsseminars mit dem Repair-Café. Studierende der Sonderschulpädagogik entwickelten Unterrichtsmaterial zum Thema Upcycling, das innerhalb einer Projektwoche zusammen mit Schülern der Oberschule Eversten getestet wurde. Zum Abschluss dieser Woche gestalteten die Studierenden am vergangenen Freitag den Nachmittag im Repair-Café mit. „Wir versuchen den Kindern beizubringen, dass man ein neues Produkt aus einem alten erschaffen kann“, erzählt die Studentin Marietta Campbell. Den Kindern näher zu bringen, was Nachhaltigkeit bedeutet und dabei der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen – Dafür ist Upcycling die beste Methode, so Campbell.
Upcyling lohnt sich also, um der bestehenden Wegwerfgesellschaft ein wenig die Stirn zu bieten.
