Berlin - Die deutsche Industrie rechnet trotz anhaltender Risiken auch im Jahr 2016 mit einem stabilen Wirtschaftswachstum in Deutschland. Es sei erneut ein Anstieg der Wirtschaftsleistung von „knapp zwei Prozent“ zu erwarten, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. Damit bleibt der Industrieverband optimistischer als viele Ökonomen.
„Die Unsicherheiten sind jedoch groß“, räumte Grillo ein. Probleme bereiten könnten die Integration von Flüchtlingen in Deutschland und in anderen EU-Staaten sowie die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten.
„Wie sich die Flüchtlinge auf die gesamtwirtschaftliche Leistung auswirken werden, können wir derzeit noch nicht gut beziffern“, sagte Grillo. Es seien aber auch positive Konjunktureffekte zu erwarten durch zusätzliche Konsumausgaben.
„Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt geprägt durch eine sehr erfreuliche Entwicklung der Beschäftigung und des privaten Verbrauchs“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) weiter. „Die realen Einkommen der Haushalte werden auch im nächsten Jahr kräftig wachsen. Die gute Arbeitsmarktentwicklung dürfte sich fortsetzen.“ Die deutsche Konjunktur bleibe also stark vom Verbrauch getrieben. Von der Güter-Produktion oder von Innovationen erwartet Grillo dagegen keine starken Impulse.
Die deutschen Exporte und Importe werden aus Sicht des BDI kräftig wachsen. Die günstigen Rahmenbedingungen wie der niedrige Eurokurs, preiswertes Öl und niedrige Zinsen setzten sich fort. Erhebliche Risiken berge aber die geringere Wachstumsdynamik in wichtigen Schwellenländern. Von Brasilien gingen 2016 keine Impulse aus, von China geringere als 2015. „In Russland müssen wir uns 2016 mit einem schrumpfenden Markt abfinden“, so Grillo. Er warnte, angesichts der vielen Krisen dürfe es die Politik nicht versäumen, die deutsche Wirtschaft für die Zukunft fit zu machen. „Da muss mehr passieren als bisher.“
Der BDI-Präsident forderte einen stärkeren Ausbau und Erhalt der öffentlichen Infrastruktur. „Zweitens müssen wir unsere Hausaufgaben in der deutschen und europäischen Energiepolitik erledigen.“ Schließlich müsse die Innovationskraft gestärkt werden: „Spätestens im nächsten Koalitionsvertrag brauchen wir ein Maßnahmenpaket, das bei A wie Ausbildung beginnt und bei Z wie Zukunftsinvestitionen endet.“
