„Niemand will den teuren Tunnel“ (NWZ  vom 23. September)

Die Sitzung des Bauausschusses am 22. September war aus der Sicht eines engagierten Bürgers eine Katastrophe – sowohl inhaltlich als auch organisatorisch! Unter dem Tagesordnungspunkt „Rathausturm“ stellte die Baudezernentin die Untersuchungsergebnisse zum Thema „Sicherung bzw. Sanierung Rathausturm“ in Form kleingeschriebener Exceltabellen vor. Es fehlte eine klare Beschreibung der Projektinhalte. Was zum Beispiel umfasst aus bautechnischer Sicht eine Sicherungsmaßnahme und was eine Sanierung (...)? Auch die inhaltliche Trennung kurzfristiger Sicherungsmaßnahmen von langfristigen echten Sanierungsarbeiten wurde nicht immer beachtet.

Wahrscheinlich ist die begrifflich unsinnige Aussage „Bauausschuss beschließt „Sicherungssanierung“ für 300 000 Euro“ auf die nicht immer korrekte Verwendung der Begriffe „Sicherung“ und „Sanierung“ während der Sitzung zurückzuführen. Eine Klarstellung brachte der gut verständliche Vortrag des Gutachters Edzard Wulf. Er zeigte mit wenigen Bildern die „normale“ Korrosion eines Betonbauteiles durch das Kohlendioxid in der Umgebungsluft, das die für eine dauerhafte Stabilität erforderliche Alkalität langsam neutralisiert und dies im Beton zur Rissbildung führt. Ferner führte der Gutachter aus, dass die nach heutigem Kenntnisstand viel zu geringe Abdeckung der Stahlbewehrung mit nur 2,5 cm Beton zu einer permanenten Stahlkorrosion führe (...).

Der Gutachter ließ deutlich anklingen, dass eine dauerhafte Sanierung nicht realistisch ist. Wird dies berücksichtigt, sind Sicherungsmaßnahmen in Höhe von 200 000 Euro erforderlich, um den Schutz der Verkehrsteilnehmer auf der Walther-Rathenau-Straße für einen Zeitraum von bis zu vier Jahren sicherzustellen. Die Idee des Bauausschusses, durch Genehmigung weiterer 100 000 Euro schon in Vorleistung einer künftigen Turmsanierung zu treten, ist aufgrund der Aussagen des Gutachters widersinnig. Das heißt, wir brauchen keine Mittel zur Sanierung in den Haushalt einzustellen, sondern müssen uns um eine neue dauerhafte Bleibe für die „Turm-Mitarbeiter“ bemühen (...).

Dr. Gernot Schenker Nordenham