Thüle - Noch ein weiter Weg ist zu gehen, damit Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigt in Beruf und Gesellschaft angesehen werden. In diesem Punkt waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion am Donnerstag im Gasthof Sieger in Thüle einig. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Inklusion des CDU-Kreisverbandes Cloppenburg. Die Resonanz auf die Einladung jedenfalls war mäßig. Den mehr als 400 Einladungen waren nur rund 30 Besucher gefolgt.

„Inklusion ist hier nicht angekommen“ – zu diesem Urteil kam Carmen Kühling von der Bundesagentur für Arbeit. Die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung sei Einstellungssache. „Wenn wir es schaffen, dass Arbeitgeber sich darauf einlassen und Menschen mit Behinderungen als Arbeitnehmer ins Auge fassen, haben wir eine ganze Menge erreicht“, so Kühling.

Josef Kalmlage, Betriebsleiter der LMG Nord, einer 100-prozentigen Tochter des Caritas-Vereins, entgegnete Behauptungen, die LMG, bei der von 50 Mitarbeitern 24 behindert sind, würde den Wettbewerb verzerren. „Wir müssen uns am ersten Arbeitsmarkt behaupten.“ Unternehmen seien zunächst einmal Wirtschaftsunternehmen, sagte Dr. Michael Hoffschoer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg. Aber: „Wir bemühen uns, das Thema stärker in die Köpfe zu bekommen.“ Unternehmer müssten aber auch besser begleitet werden.

Josef Wolking berichtete, dass das St. Vincenzhaus in Cloppenburg, dessen Geschäftsführer er ist, versuche, die Schüler stärker mit anderen Einrichtungen in Kontakt zu bringen. Viele der Schüler könnten auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen, längst nicht alle müssten in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung untergebracht werden. Wenn Schüler die Schule verlassen müssten, benötigten sie Begleitung.

Sport als Beispiel gelungener Inklusion führte Eugen Gehlenborg, DFB-Vizepräsident, ins Feld. Häufig gebe es Vereine, in denen Menschen mit Handicap gemeinsam spielten. Aber: Ziel müsse es sein, dass diese Menschen in den Vereinen Sport trieben. Gutes Beispiel: der Lauftreff des SV Bethen. Über den Weg der theoriereduzierten Ausbildung wurde kontrovers diskutiert. Während Hoffschroer von „Abstempelung“ sprach, lobte Wolking diese Variante als guten Einstieg für seine Schüler.


Zu Beginn der Veranstaltung hatte Franz-Josef Holzenkamp, CDU-Bundestagsabgeordneter, in einem Grußwort über das Bundesteilhabegesetzes berichtet, das 2017 in Kraft treten soll.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)