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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Innovative Werft mit Geschichte(n)

02.10.2013

Lemwerder Bei Abeking & Rasmussen (A&R) ist jedes Schiff zunächst einmal eine Nummer. Fein säuberlich sind alle bei der Traditionswerft aus Lemwerder (Landkreis Wesermarsch) gebauten Schiffe im Baunummernverzeichnis aufgelistet: Name, Typ, Eigner und Baujahr. „Hinter den Schiffen steckt aber auch eine Geschichte“, sagt Dr. Erich Bischoff, Finanzvorstand bei A&R.

Etwa hinter der Baunummer 6350, der „Kalamoun“, der schnellsten dieselgetriebenen Jacht der Welt. „Der Eigner wollte mit der Jacht das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung gewinnen“, sagt Bischoff. Er übersah dabei aber, dass diese Ehrung nur Schiffe für bezahlende Passagiere erhalten können.

Oder hinter der Nummer 5895, der „Germania VI“. „Für Alfried Krupp haben wir damals, 1963, die erste ganzgeschweißte Aluminium-Jacht der Welt gebaut“, sagt Bischoff.

Auf fast 6500 Baunummern kann A&R seit dem 1. Oktober 1907 zurückblicken, als der Bootsbauer und Schiffbau-Ingenieur Henry Rasmussen und der Maschinenbau-Ingenieur Georg Abeking die Werft am heutigen Standort in Lemwerder gründeten. Anfangs standen kleine Boote und Schiffe im Vordergrund. Rasmussen machte sich vor allem als Konstrukteur von Segelschiffen einen Namen.

Unter seinem Enkel Hermann Schaedla, der 1959 das Kommando bei der Werft übernahm, wuchsen im Laufe der Zeit sowohl die Bandbreite als auch die Größe der Schiffe. Seit 2009 steht dessen Sohn Hans M. Schaedla an der Spitze des Unternehmens, das zwar mittlerweile eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft ist, sich aber weiter fest in Familienhand befindet. „Es ist schon ziemlich außergewöhnlich, dass die Werft in ihrer 106-jährigen Geschichte gerade einmal drei Chefs hatte“, sagt Bischoff.

Heute steht die Werft mit ihren 430 Mitarbeitern, darunter 44 Auszubildende, vor allem auf drei Säulen. Am bekanntesten sind sicherlich die Luxusjachten für die Superreichen dieser Welt. Aga Khan gehörte ebenso schon zur Kundschaft wie der langjährige Fiat-Chef Giovanni Agnelli. Einen weiteren Meilenstein konnte A&R Ende Mai 2013 setzen. A&R lieferte mit der 82,30 Meter langen „Secret“ die längste bislang auf der Werft gebaute Jacht aus.

Zweites Geschäftsfeld ist „schon seit Kaisers Zeiten“ (Bischoff) der Marineschiffbau. Besonders bei Schiffen zum Aufspüren und Bekämpfen von Seeminen hat sich A&R einen Namen gemacht und gilt als Weltmarktführer. Die Anforderungen an solche Minensuchboote sind besonders hoch, werden sie doch aus speziellem nicht magnetischen Edelstahl gefertigt und müssen extrem leise und schocksicher sein.

Dritte Säule sind Spezialschiffe, wie Seenotrettungskreuzer, Lotsen- oder Forschungsschiffe. Besonders bei den Schiffen in der „Swath“-Bauart (Small Waterplane Area Twin Hull, Doppelrumpf mit geringer Wasserlinienfläche) hat die Werft weltweit eine Spitzenstellung erreicht.

Seit Mitte der 90er-Jahre entwickelt und baut A&R solche Schiffe mit ihren zwei charakteristischen torpedoförmigen Auftriebskörpern unter der Wasseroberfläche. „Ein Swath-Schiff liegt wesentlich ruhiger im Wasser als ein konventionelles Schiff“, erklärt Bischoff die Vorzüge. Deshalb seien solche Schiffe etwa im Lotsendienst oder wie die im April 2010 getaufte „Natalia Bekker“ zeige, für den Personentransfer zu den Offshore-Windparks hervorragend geeignet, sagt er.

Selbst eine Swath-Jacht haben sie in Lemwerder schon gebaut. Ein vermögender Privatier wollte unbedingt eine Weltreise unternehmen, leider neigte seine Frau zur Seekrankheit, erinnert sich Bischoff. Also orderte der technikbegeisterte Mann eine Swath-Jacht, die „Silver Cloud“. „Mittlerweile haben die beiden schon zweieinhalb Mal die Welt umrundet – ohne Probleme“, sagt Bischoff und schmunzelt.

Mit solch kreativen Ideen, hochklassigem Design und hervorragender handwerklicher Ausführung hat sich die Werft in der Branche einen Namen gemacht und dabei auch so manchem Sturm getrotzt, dem die Werftenindustrie in der jüngeren Vergangenheit ausgesetzt war. „Wir sind gut durch die letzten Jahre gekommen“, sagt Bischoff. „Es ist schon von Vorteil, dass wir drei Geschäftsfelder haben. Das macht weniger krisenanfällig.“

Stillstand bedeutet jedoch auch in der Werftbranche Rückschritt. Und so ist in einer der Hallen bei A&R auch schon die schiffbauliche Zukunft zu sehen: ein „Swash-Schiff“ (Small Waterplane Area Single Hull), gleiches Prinzip wie die Swath-Schiffe jedoch nur mit einem torpedoförmigen Auftriebskörper. Im Lotsendienst vor Brunsbüttel sei die 20 Meter lange und zwölf Meter breite „Explorer“ schon erfolgreich getestet worden, sagt Bischoff.

Und auch bei Abeking & Rasmussen selbst wird weiter investiert, das Verwaltungsgebäude wird umgebaut, das Hebewerk verlängert, die Halle­ A vergrößert. „Wir müssen­ immer mitwachsen“, so Erich Bischoff. Raum schaffen für weitere Nummern – und weitere Geschichten.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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