Osnabrück - Paukenschlag im Weinhandel: Der Großeinkaufsverband des Wein- und Spirituosenhandels (GEV/Osnabrück) hat Insolvenz beantragt. Das besagt eine Meldung im amtlichen Portal www.insolvenzbekanntmachungen.de.
Der Schritt war den Mitgliedern – auch in Oldenburg – von GEV-GeschäftsführersGünter Konietzny bereits angekündigt worden. Als Grund nannte er in dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, die „nicht mehr beziehungsweise nur noch teilweise zur Verfügung stehenden Banklinien und hohe, von namhaften Mitgliedern verweigerte Zahlungen“. Laut dem Portal „Meiningers Weinsuche“ hatte der GEV nach der Pleite des Getränke-Rings (Butzbach) Mitglieder und Verrechnungsvolumen verloren.
Der Großeinkaufsverband besteht rund 60 Jahre. Er ist mit rund 500 Liefervereinbarungen (Wein, Sekt, Spirituosen, Bier) ein Bindeglied zwischen Weinproduzenten und den Händlern. Er beschreibt seine Aufgaben mit „Sortimentsplanung über modernes Handelsmarketing und betriebswirtschaftliche Fragen bis zu Einkaufsvorteilen und Sicherung von Exklusivrechten für die Anschlussunternehmen“. Über ihn laufen auch Zahlungsverkehre: Der GEV begleicht Rechnungen.
In einigen Fällen hatten offenbar Weinhändler Beträge bereits an den GEV überwiesen, um damit Weinlieferungen zu bezahlen – doch bevor das Geld weiterfloss an Produzenten, kam nun der Insolvenzantrag. Gebangt wird auch um die Mitgliedereinlagen und bereits einbehaltene Rückvergütungen für 2012.
Ob sich eine Nachfolgeorganisation bildet, ist offen. Als wahrscheinlicher gilt in der Branche, dass die Händler stärker direkt mit den Weinproduzenten verhandeln.
