Oldenburg - Das Land Niedersachsen will die Digitalisierung der Industrie vorantreiben. Das Oldenburger Institut für Informatik (Offis) soll dabei helfen. SPD-Wirtschaftsminister Olaf Lies (Sande) kündigte am Sonnabend beim Besuch in Oldenburg drei Millionen Euro Fördermittel für das neue Projekt von Offis an. Es soll kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, sich auf die Digitalisierung von Verfahren und Prozessen einzustellen.

Überschattet wurde der Besuch vom Tod des langjährigen Offis-Vorstands Hans-Jürgen Appelrath, der am Freitag im Alter von 64 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben war. Wolfgang Nebel, Vorstandsvorsitzender des Offis, würdigte Appelrath als „zentrale Persönlichkeit“, die das Institut bis zuletzt geprägt habe. „Offis verdankt seinen Erfolg zu einem maßgeblichen Teil ihm.“ Lies betonte die bedeutende Rollen von Appelrath im Bereich Informatik für ganz Niedersachsen.

Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) zeigte sich am Wochenende bestürzt über den Tod von Appelrath. Dieser habe „die Wissenschaftslandschaft in Oldenburg über Jahrzehnte maßgeblich geprägt und Stadt und Region durch sein Wirken entscheidend vorangebracht“, erklärte Krogmann.

Auch für das jetzt vom Land geförderte Projekt hat Appelrath die Vorarbeit geleistet. „Die Digitalisierung der Industrie hat und wird auch in Zukunft die Produktions-und Arbeitsabläufe in den Unternehmen weitreichend verändern“, sagte Minister Lies beim Besuch in Oldenburg. „Während viele Großunternehmen die Potenziale der Digitalisierung für ihre jeweiligen Geschäftsmodelle bereits aufgreifen und umsetzen, sind kleine und mittelständische Unternehmen dabei eher noch zögerlich. Das wollen wir ändern.“

Konkret bedeutet das, dass kleine und mittelständische Unternehmen mit und bei Offis Szenarien aus ihrem individuellen Arbeitsalltag virtuell simulieren und prüfen können, welche Anwendungen für sie in Frage kommen. So soll es für sie möglich sein, vor der Investition in neue, vernetzte Produktionstechniken zu testen, inwieweit ihre Arbeits- und Produktionsprozesse in einen Industrie 4.0-Kontext zu integrieren sind und welche Auswirkungen eine Umstellung für das Unternehmen hätte.


„Hierzu werden wir innerhalb des Instituts eine Gruppe mit bis zu zehn Personen aufbauen, die sich speziell dem Thema Informations- und Kommunikationstechnologien für Industrie 4.0 widmet“, sagte Offis-Vorstandsvorsitzender Nebel. „Wir werden neben der Erforschung wissenschaftlicher Fragestellungen vor allem technische Lösungen entwickeln.“