Landkreis - Konjunkturlage, Facharbeitermangel, Berufsausbildung, Imagekampagne und Perspektiven zur Flüchtlingspolitik standen neben Bilanz und Ausblick zu den Geschäftsjahren 2015/16 im Fokus eines ersten Treffens des Vorstandes der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, wie deren Geschäftsführer Hartmut Günnemann berichtet.
In wirtschaftlicher Hinsicht habe das Jahr 2015 laut Günnemann den meisten Branchen genügend Anlass zur Zufriedenheit gegeben. Ausschlaggebend für die Erfolgsbilanz sei das günstige binnenwirtschaftliche Klima in Deutschland gewesen. Dazu beigetragen hätten der Beschäftigungsaufbau, die steigenden Einkommen bei minimaler Preissteigerung, niedrige Zinsen und die zunehmende Zuwanderung.
Die Auftragsbücher vieler Handwerkbetriebe seien voll, stellten Kreishandwerksmeisterin Britta Jochims und Geschäftsführer Hartmut Günnemann fest, aber es mangele den Handwerksbetrieben an Fachkräften, um die Aufträge kurzfristig ausführen zu können. Eine fatale Situation, die zum einen in der Flucht der durch Finanzkrisen verunsicherten Menschen in Sachwerte und zum anderen durch den demografischen Wandel der Gesellschaft begründet sei.
Noch hielten sich die Zahlen der Auszubildenden. Bis 30. November 2015 seien 322 neue Lehrverträge eingetragen worden. Die Vergleichszahl von November 2014 habe bei 325 Verträgen gelegen.
Das Handwerk brauche Betriebe, die engagiert in die Ausbildung junger Menschen investierten, sagte Jochims. Durch den demografischen Wandel werde es immer schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden.
Den Wunschgedanken von Politikern, etlichen Medien und Betrieben, mit jungen Leuten aus dem Flüchtlingsstrom dem Mangel an Facharbeitern und Auszubildenden kurzfristig abhelfen zu können, beurteilten Jochims und Günnemann skeptisch. Sicher gebe es unter den Flüchtlingen viele, die gerne eine Lehre machen würden. Das werde jedoch zurzeit noch dadurch erschwert, dass die meisten weder die deutsche Sprache beherrschten noch das Schriftsystem verstünden. Diesen Personen Deutschkenntnisse sowie Lesen und Schreiben beizubringen, werde noch längere Zeit in Anspruch nehmen.
Weiterhin werde davon ausgegangen, dass es mindestens ein bis zwei Jahre dauere, bis die Zuwanderer überhaupt vernünftig in die Arbeitswelt integriert werden könnten. Das Handwerk brauche Fachkräfte und keine Hilfskräfte.
