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Als am 26. April 1986 der Atomreaktor in Tschernobyl explodierte, hatte das bis dahin nicht gekannte Folgen. Cornelia Voigts aus Bad Zwischenahn engagierte sich damals in einer örtlichen Initiative von Müttern und Vätern.
Von Otto Renken
Frage:
Frau Voigts, was war damals überhaupt der Anlass, hier in Bad Zwischenahn eine Elterninitiative zu gründen?
Voigts:
Wir gehörten mit zu jenen Elterninitiativen, die sich bundesweit bildeten. Anlass war eigentlich die Nachrichtenpolitik: Mit den offiziellen Verlautbarungen konnten wir als Eltern kleiner Kinder nichts anfangen. Alles wurde heruntergespielt und teilweise sogar totgeschwiegen, es sei doch alles nicht so schlimm, Gefahr bestünde nicht, war der allgemeine Tenor. Internet als Informationsquelle gab es noch nicht, so dass wir auf andere Art und Weise an die Informationen herankommen mussten.
Frage:
Wie sahen denn Ihre Aktivitäten aus?
Voigts:
Wichtig war uns zum Beispiel, dass die Werte der radioaktiven Belastung von Lebensmitteln wie Milch oder Gemüse öffentlich gemacht wurden. Damals sind wir beispielsweise auch an die
NWZ herangetreten, die von Professor Heinz Hellmers an der Universität Oldenburg gemessenen Werte in der Zeitung zu veröffentlichen. Dankenswerterweise hat die
NWZ das auch getan. Außerdem wurden die von der Uni herausgegebenen Listen kopiert und überall verteilt, öffentlich ausgehängt in Märkten Bad Zwischenahns, in Kindergärten und anderen Einrichtungen.
Frage:
Gab es auch Aktivitäten im Hinblick auf die Zwischenahner Kommunalpolitik?
Voigts:
Ich kann mich noch gut an eine große Protestaktion während einer Zwischenahner Ratssitzung erinnern, als wir die Kommunalpolitiker auf den belasteten Sand in den Sandkästen der öffentlichen Kinderspielplätze hingewiesen haben.
Frage:
Wie lange hat das Engagement dieser Elterninitiative angehalten?
Voigts:
Über viele Jahre. Wenn man sich mit diesen Dingen beschäftigt, kommt man zwangsläufig zu Fragen wie „Was ist eigentlich mit den AKWs in Stade oder Lingen?“ Wir haben in den folgenden Jahren zahlreiche Veranstaltungen gemacht zum Thema Energiesparen oder alternative Energien und damit viele Menschen zum Nach- und Umdenken angeregt.
Frage:
Frau Voigts, letzte Frage: Was denken Sie, wenn heute über die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke neu diskutiert wird?
Voigts: Atomkraftwerke, auch die „sicheren" westlichen Standards, bergen immer ein Restrisiko. Ich weise nur auf den Aspekt menschliches Versagen hin. Das größte Problem ist meines Erachtens jedoch die weltweit ungelöste Endlagerung des Atommülls.