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In der nördlichen Wesermarsch werden sehr gute Mischhonige erzeugt. Das sagt der Vorsitzende des Imkervereins, der Architekt Henning Wessels.
Von Henning Bielefeld
NWZ:
Herr Wessels, der Herbst hat uns seit Wochen im Griff. Was machen die Bienen jetzt eigentlich – Winterschlaf?
Wessels:
Sie machen keinen Winterschlaf, auch nicht bei sehr niedriegen Temperaturen unter null. Bei Temperaturen unter 10 Grad fliegen die Bienen nicht mehr aus. Sie ziehen sich im Wabenbau zu einer dichten Traube zusammen. Im Innern der Traube halten sie auch bei starkem Frost eine Temperatur von 22 bis 25 Grad aufrecht. Damit alle Bienen gleichmäßig Wärme erhalten, bewegen sie sich in der Traube ständig von innen nach außen. Den Kraftstoff für die Betriebstemperatur nehmen sie aus den Honigvorräten.
NWZ:
Und die Imker?
Wessels:
Die Imker befassen sich mit Fortbildung und mit der Instandsetzung der Beuten und Gerätschaften. Auch die Herstellung von Kerzen- und Figuren aus Bienenwachs ist eine typische Wintertätigkeit – und die Herstellung von Met ist nicht zu vergessen. Ansonsten genießen sie den im Sommer geernteten Honig.
NWZ:
Im Frühjahr hatten Sie einen guten Bienen-Sommer vorausgesagt. Ist es so gekommen?
Wessels:
Ja, ich habe mit meiner Prognose richtig gelegen. Der Bienensommer 2009 war optimal. Die Bienen haben besonders viel Honig eingetragen und sich darüber hinaus noch tüchtig vermehrt. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings bei dem guten Sommer. Ebenso gut wie die Bienen haben sich auch deren Parasiten, die Varroa, vermehrt. Die Imker müssen jetzt höllisch gut aufpassen und die Varroa bekämpfen.
NWZ:
Welche Honigsorten werden eigentlich in der nördlichen Wesermarsch erzeugt?
Wessels:
Sortenreiner Honig ist in unserer Landschaft eher selten. Im Frühjahr ist dies nur der Rapshonig und im Sommer der Kleehonig, ansonsten gibt es sehr gute Mischhonige. Die schmecken oft besser als die sortenreinen.
NWZ:
Aus der Sicht des Imkers: Inwieweit unterscheidet sich unsere Region von anderen?
Wessels:
Meistens haben wir Mischhonige aus einem breiteren Pflanzenspektrum – im Frühling Weide, Obstbäume, Kastanie, Löwenzahn und im Sommer Klee, Linde, verschiedene Wiesenkräuter und Blatthonige. Für die Qualität des Honigs ist die Sortenreinheit jedoch nicht von Bedeutung.
NWZ:
Im Frühjahr hat der Imkerverein erstmals auf einem Rapsfeld in Stollhammerdeich vier Millionen Bienen zur Erzeugung von Saatgut eingesetzt. Wie sehen die ersten Erfahrungen aus?
Wessels:
Erinnern Sie mich bloß nicht daran! Das war ein Reinfall. Von den 1,5 Tonnen Honig, von denen Sie damals in der
NWZ berichtet haben, sind nur wenige hundert Kilogramm geworden. Was wir anfangs nicht wussten, war, dass es sich bei dem Raps um eine Hybridsorte handelte. Die Blüten waren sehr geruchsarm und die Bienen wollten einfach nicht den Raps befliegen. Alles andere aus größerer Entfernung haben sie gesammelt. Wir haben es vom Bieneninstitut Celle amtlich: Es sind nur zehn Prozent Rapsanteil drin. Wir haben es ja auch wegen der Bestäubung gemacht – umsonst. Wenn wir für solch eine Aktion wieder gefragt werden, wird das nur gegen Entgelt gehen.
NWZ:
Wie viele Bienenvölker und wie viele Individuen gibt es überhaupt in der Wesermarsch?
Wessels:
Ich schätze die Anzahl im ganzen Landkreis auf zirka 500 bis 600 Bienenvölker. Das sind im Winter etwa 8 bis 10 Millionen und im Sommer rund 30 bis 40 Millionen Individuen.