Auto- und Maschinenbauer – Ihre wichtigsten Kunden – sind von den Corona-Folgen hart getroffen. Hat der Bund in seinem Konjunkturprogramm die richtigen Prioritäten gesetzt?

DegenhartDieses 130-Milliarden-Paket beinhaltet eine Vielzahl positiver Elemente für die Gesamtwirtschaft. Auf die Autoindustrie bezogen, wird die Absenkung der Mehrwertsteuer einen gewissen Effekt haben. Den Umweltbonus muss man aber differenzierter sehen: Auf der Seite reiner E-Fahrzeuge ist zurzeit noch gar keine größere Produktionskapazität vorhanden. Auf der Hybridseite mag es sein, dass der Bonus zur Belebung führt. Aber man muss sich vergegenwärtigen, dass E- und Hybridautos hierzulande einen Marktanteil von acht Prozent haben. Das zeigt, dass die Wirkung begrenzt bleiben wird.

Wie brenzlig ist die Lage der Zulieferer-Branche wirklich?

DegenhartDie bisherigen Zahlen in diesem Jahr sprechen für sich. Die Produktion bewegt sich in China und Amerika bei minus 25 Prozent, in Europa bei minus 40 Prozent. Die Erholung dürfte in Europa am langsamsten verlaufen, die Autoindustrie wird im zweiten Quartal Milliardenverluste schreiben. Für europäische und insbesondere deutsche Systemzulieferer verheißt das nichts Gutes. Das zweite Quartal wird wohl wirtschaftlich das schwierigste der Nachkriegszeit.

Hätten Ihnen Kaufzuschüsse für Benziner und Diesel geholfen?

DegenhartUnsere Branche hat in Europa einen Herzstillstand erlitten. Ein solcher lässt sich nicht mit einer hohen Dosis Vitamin C beheben – es bedarf vielmehr eines Defibrillators. Der Impuls, den wir begrüßt hätten, wäre durch eine – nicht uferlose, aber kräftige – Förderung von Fahrzeugen mit modernen Verbrennungstechnologien möglich gewesen. Diese Chance wurde verpasst. Mit Unterstützung aus der Politik können wir hier kurzfristig nicht mehr rechnen.

Andere sagen, mit Verbrennern hätte man die Ökowende verpasst.

DegenhartIch kann mich dieser Argumentation nicht anschließen. Eine Menge Fahrzeuge mit modernsten Verbrennungsmotoren stehen bereits bei Herstellern und Händlern – und werden verkauft werden. Es sind Fahrzeuge, die die weltweit strengsten Abgasvorschriften erfüllen und sauberer sind als E-Autos, die mit Kohlestrom geladen werden. Jedes Fahrzeug, das ein altes ersetzt, trägt zum Klima- und Umweltschutz bei. Wir haben in Europa die sauberste Dieseltechnologie der Welt.

Der Branchenverband warnt vor einem Kahlschlag, sollte die Nachfrage nicht anspringen. Schwingt da auch etwas Untergangsstimmung mit?

DegenhartMarktbeobachter gehen für 2020 von einer globalen Produktion unter 70 Millionen Fahrzeugen aus, das wäre ein Rückgang von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ausmaß der Krise ist ungleich höher als das, was wir 2009 durchlebt haben. Das zeigen die Arbeitslosenzahlen in Amerika und die Kurzarbeit in Europa. Wenn sich im Sommer keine deutliche Belebung des Marktes in Europa abzeichnet, befürchten wir trotz aller Stützungsmaßnahmen eine Reihe von Konkursen.