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Von Dieter W. Heumann
Frage:
Herr Börner, der deutsche Export ist 2009 um 18 Prozent eingebrochen.
Welche Branchen litten am meisten?
Börner:
Der Maschinenbau und die Automobilexporte. Sie erlitten Umsatzeinbußen von rund 22 und 17 Prozent. Nach Regionen betrachtet mussten die größten Umsatzverluste in Nordamerika hingenommen werden. Aber auch der europäische Absatzmarkt nahm deutlich weniger auf. Ziemlich zusammengebrochen ist der osteuropäische Markt. So wurden z.B. in Russland und der Ukraine große Projekte storniert.
Frage:
Ist der Rückschlag konjunkturell bedingt, oder kämpfen die Exporteure auch mit strukturellen Schwierigkeiten?
Börner:
In der Regel sind es keine strukturellen Probleme, die maßgeblich waren. Die Unternehmen sind im allgemeinen gut aufgestellt. Eine Ausnahme bildet die Automobilindustrie. Hier haben wir es in der Tat mit einem Strukturproblem zu tun: Weltweit haben sich erhebliche Überkapazitäten gebildet.
Frage:
Erleben wir in der Weltwirtschaft eine Zeitenwende? China hat uns 2009 als Exportweltmeister abgelöst.
Börner:
Das ist richtig, aber von einer Zeitenwende möchte ich nicht sprechen, das hört sich dramatisch an. Dass China eines Tages die Bundesrepublik bei den Exporten hinter sich lassen würde, das war – bei der Entwicklung, die die chinesische Wirtschaft bereits genommen hat und den Kapazitäten und Möglichkeiten, die das riesige Land bietet – für uns keine Überraschung. Schon seit Jahren rechnen wir damit.
Frage:
Wie nachhaltig ist der Wechsel an der Welt-Spitze ?
Börner:
China wird schon ob seiner schieren Größe den ersten Platz auf der Skala der größten Exportnationen nicht nur halten, sondern auch ausbauen. Und ich glaube, dass uns der zweite Platz lange sicher sein und uns auch viel Freude bereiten wird. Entscheidend ist doch für uns, dass der Kuchen insgesamt größer wird, also die Weltwirtschaft wächst. Und das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wird auf lange Jahre auch unser Wachstum und Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Insofern kann ich mit dem Titel eines Vizes gut leben.
Frage:
Der Euro schwächelt. Welche Vorteile bringt das?
Börner:
Im Dollar- aber auch im asiatischen Raum, wo viele Währungen an den US-Dollar gekoppelt sind, verbilligen sich die deutschen Produkte mit einem gegenüber Dollar schwächelnden Euro. Dadurch wird die deutsche Wettbewerbsposition gestärkt. Bei unseren Importen aus diesen Regionen tritt allerdings der gegenteilige Effekt ein: Sie verteuern sich. Denken Sie z.B. an die Öleinfuhren oder auch andere Rohstoffimporte, für die bei einem schwachen Euro eben mehr bezahlt werden muss.
Frage:
Wie sind die Exportaussichten für 2010 und 2011?
Börner:
Wir sind gut ins neue Jahr gestartet und blicken auch optimistisch auf das Gesamtjahr. Gibt es keine größeren weltwirtschaftlichen Verwerfungen, dann dürften wir im Außenhandel ein Wachstum bis zu 10 Prozent erzielen. Dabei hilft uns ein ziemlich hoher statistischer Überhang aus 2009. Allerdings werden wir auch mit diesem beachtlichen Wachstum noch nicht wieder das Niveau vor der Krise erreichen. Vielleicht schaffen wir das bis 2013, wobei wir davon ausgehen, dass sich das Wachstum im kommenden Jahr eher etwas abschwächen dürfte.
Frage:
Und die Gesamtwirtschaft?
Börner:
Wir gehen 2010 von einem Wachstum von 2,5 bis drei Prozent aus. Allerdings erwarten wir für das kommende Jahr einen spürbaren Dämpfer auf nur noch 1,5 bis 2,5 Prozent. Die „Achillesferse“ ist der Konsum, der an Stärke einbüßen wird.