Der Aufwand für den Erhalt des Geschäfts rechnet sich nicht, sagt Bernhard Carstens. Kunden würden ihre Kaufentscheidung fast nur noch vom Preis abhängig machen.
Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
Frage:
Nach 119 Jahren Carstens in Ovelgönne schließen sie am heutigen Montag das Geschäft im Burgdorf. Warum?
Antwort:
Der Aufwand für das Ladengeschäft, den wir betreiben müssen, rechnet sich einfach nicht mehr. Natürlich ist mir die Entscheidung nicht leicht gefallen. „Carstens Ovelgönne“ – das ist ein Begriff.
frage:
Sie haben sehr unterschiedliche Öffnungszeiten gehabt in Ihren Geschäften, manchmal waren Ihre Läden auch nur tageweise geöffnet. Hat das nicht auch viele Kunden irritiert, dass sie schließlich weggeblieben sind ...
antwort
... das glaube ich nicht. In Ovelgönne kannten die Kunden den Verkauf am Montagnachmittag bereits aus der Zeit, als die Fabrik noch bestand. Und vor zwei Jahren haben wir ja die Zahl der Läden von zwölf auf sechs reduziert, dafür aber diese verbleibenden Geschäfte täglich geöffnet.
frage: Damals haben Sie das Geschäft in Brake aufgegeben, aber gerade an dem Laden im kleineren Ort Ovelgönne festgehalten. War diese Entscheidung – rückblickend betrachtet – ein Fehler?
antwort:
Nein. Dass ich an Ovelgönne festgehalten habe, hatte auch etwas mit der schon erwähnten Tradition zu tun. Ich fand aber damals keinen geeigneten Laden in Brake. Deshalb gab es keine Alternative zur Schließung.
Frage: Sie ziehen sich jetzt insgesamt aus der Fläche zurück, schließen neben Ovelgönne auch ihre Geschäfte in Nordenham und Ocholt. Stattdessen konzentrieren sie sich mit drei Geschäften auf die Stadt Oldenburg. Ist die Konkurrenz da nicht viel stärker?
Antwort
: Für den Geschäftsmann ist es in der Tat das größere Risiko. Aber die Entscheidung ist gut überlegt, ich kenne den Standort Oldenburg seit Jahren ganz genau. Außerdem setze ich darauf, dass die Kunden aus dem Umland nun verstärkt zu uns in die Stadt kommen. Im Übrigen ziehen wir uns nicht aus der Fläche zurück – wir werden weiterhin auf vielen Wochenmärkten präsent sein. Zudem plane ich den Aufbau eines Internet-Shops.
frage:
Sie befürchten, dass die Menschen bald nur noch in Discount-Märkten einkaufen werden ...
antwort
... das scheint in der Tat derzeit „schick“ zu sein. Viele Kunden machen ihre Kaufentscheidung nur noch vom Preis abhängig. Ob ihnen etwa ein Kleidungsstück gefällt oder die Qualität stimmt – das interessiert kaum noch. Dabei heißt Sparen für mich Verzicht und nicht Ersatz durch billige Qualitäten.
frage:
Andere Marktbeobachter scheinen optimistischer zu sein; sie prognostizieren bereits ein Ende der „Geiz ist geil“-Mentalität und dass die Kunden wieder stärker auf Qualität setzen. Das müsste sie doch hoffnungsfroh stimmen...
antwort:
Die Hoffnung ist da. Die Frage aber ist, ob der kleine Einzelhändler bis zu dieser Sinneswandlung durchhalten kann. Dass dieser „Geiz“-Trend einfach mitgemacht wird ohne ihn zu hinterfragen, das finde ich bedenklich. Die billige Textilie aus Fernost ist häufig keine Qualität und zudem oft mit giftigen Materialien durchsetzt. Das scheint niemanden zu interessieren. Und auch nicht, dass durch den Kauf der billigen importierten Ware letztendlich Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet werden.