Von marc kuhlmann
Frage:
Herr Professor Buddemeier, schaut das deutsche Kind heutzutage zu viel Fernsehen?Buddemeier:
Das kann man in der Tendenz ganz klar so sagen. Im Schnitt sind es sogar 89 Minuten am Tag. Hinter dieser Zahl verbergen sich natürlich Kinder, die nur 15 Minuten fernsehen, aber auch Kinder, die drei Stunden schauen.Frage:
Ist diese Entwicklung bedrohlich?Buddemeier:
Ja. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass solche Kinder dumm, dick und traurig werden. Die Schulnoten gehen herunter, das Gewicht herauf. Dennoch muss man trennen, was die Kinder im TV konsumieren.Frage:
Hinzu kommt noch die Benutzung des Computers...Buddemeier:
Das ist richtig, obwohl über die Dauer der Nutzung hierzu noch keine aussagekräftigen Zahlen vorliegen.Frage:
Sollten Eltern also nach Möglichkeit ihren Kindern das Fernsehen verbieten, um negative Effekte zu vermeiden?Buddemeier:
Das kann man sicherlich nicht komplett. Aber ich denke, dass frühe Medienabstinenz zu späterer Medienkompetenz führen wird. Man muss den Kindern einfach zu einem frühstmöglichen Zeitpunkt Alternativen bieten. Dass so etwas gelingt, konnten wir bereits in einem Projekt in Bremen-Nord nachweisen.Frage:
Wie sehen denn die Alternativen aus?buddemeier:
Hier sind natürlich die Eltern gefragt. Es gilt, dem Kind andere Interessen anzulegen und die Fantasie anzuregen. Neben sportlichen Aktivitäten kann dies auch zum Beispiel das Erlernen eines Musikinstrumentes sein. Damit wurden bisher durchaus positive Erfahrungen gemacht.Frage:
Ist der enorme TV-Konsum der Kinder auch auf den beruflichen Stress der Eltern zurückzuführen?buddemeier:
Nein. Untersuchungen dazu haben ergeben, dass es vor allem arbeitslose Familienmitglieder sind, die ihr Kind vor den Fernseher setzen. Der übermäßige TV-Konsum ist also vor allem ein Bildungsproblem.Frage:
Was kann nun konkret dagegen unternommen werden?buddemeier:
Eine Lösung dazu anzubieten ist schwierig. Man müsste enorme Mittel aufwenden, die Arbeit hierzu wäre sehr intensiv. Individuell bleibt es bei einem Alternativangebot zum TV. Und ansonsten ist es eben auch noch sehr wichtig, was die Kinder als Ausgleich zum TV-Schauen oder Computerspielen machen – ob sie beispielsweise ein Instrument oder Fußball spielen.Der emeritierte Professor Dr. Heinz Buddemeier warnt vor übermäßigem TV-Konsum. Er sprach über dessen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern.
