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INTERVIEW Froh über Kammer-Sitz im Nordwesten

Von Rüdiger zu Klampen

Frage:

Herr Scholten, in Kürze wählt die Kammerversammlung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen neuen Präsidenten, der Sie und den Co-Präsidenten Fritz Stegen ablöst. Wie fällt Ihre Bilanz nach zwölf Jahren an der Spitze aus?

Scholten:

Außerordentlich positiv. Wir haben die Kammer zukunftssicher aufgestellt. Sie ist eine schlanke, für unsere Mitglieder und das Land kostengünstige Selbstverwaltung. Durch eine sehr früh eingeführte Kosten-Leistungsrechnung auf Vollkostenbasis in Kombination mit umfangreichem Controlling haben wir die Kosten sehr wirksam in den Griff bekommen. Außerdem haben wir uns durch weit reichende organisatorische Eingriffe auf Kernkompetenzen konzentriert.

Frage:

Welche Eingriffe?

Scholten:

Wir haben zum Beispiel bereits 2003 die beiden Laboreinrichtungen in Hannover und Oldenburg zu der neuen Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungseinrichtung, Lufa Nord-West, zusammengeführt. Daraus hat sich trotz einiger – auch politisch bedingter – Widernisse innerhalb von vier Jahren ein Unternehmen mit voller Kostendeckung entwickelt.

Frage:

Und die Außenstellen?

Scholten:

Sie sind ein weiteres Beispiel. Das Konzept gab es in Weser-Ems bereits vor der Fusion und wurde 2005 für ganz Niedersachsen eingeführt. Wir haben unsere Mitarbeiter an weniger Standorten konzentriert, um sie fachlich und räumlich gezielter einsetzen zu können und damit noch kundenorientierter zu sein. Und denken Sie auch an die Folgen der Verwaltungsreform. Die Kammer hat rund 400 Bedienstete der Bezirksregierungen und der Ämter für Agrarstruktur übernommen und erfolgreich integriert.

Frage:

Hat die Kammer sich nicht zu sehr aus der Fläche zurückgezogen?

Scholten:

Ergebnis all unserer Optimierungen ist ein effizientes, gut funktionierendes System von jetzt elf Bezirksstellen. Einzelne Dienststellen, die diesen Bezirksstellen zugeordnet waren, haben wir geschlossen. Andere könnten noch folgen. Dennoch ist es kein Rückzug aus der Fläche, sondern eine Konzentration, um unsere Kunden noch gezielter unterstützen zu können. Bitte bedenken Sie: Die meisten Beratungen zur Fortentwicklung der Betriebe finden auf den Höfen statt. Und beim Massengeschäft, zum Beispiel den Antragsverfahren, bieten wir Sprechtage vor Ort an. Dass wir immer weiter auf der Suche nach der besten Lösung sind, zeigt auch die Lufa. Angesichts zweier Standorte gibt es noch Möglichkeiten der Optimierung. Die Anpassungen in der Kammer sind ein stetiger Prozess. Er wird ausgelöst durch die Strukturveränderungen in Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau.

Frage:

Mit dem Präsidenten Scholten wird man im Rückblick vor allem auch die Fusion der Kammern Weser-Ems und Hannover zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen 2006 verbinden.

Scholten:

Darauf bin ich auch persönlich sehr stolz. Ich bin überzeugt, da haben alle Beteiligten gute Arbeit geleistet. Es ist uns zeitgleich gelungen, in relativ kurzer Zeit die ehemaligen Landesbediensteten zu integrieren und die beiden Kammern ohne größere Verwerfungen zusammenzuführen – und das ohne Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. Froh bin ich darüber, dass der Kammersitz nach Oldenburg gekommen ist. Die Ernährungswirtschaft spielt im Nordwesten eine überragende Rolle, wir sitzen also im Zentrum des Geschehens. Hier hat die Politik richtig entschieden.

Frage:

Manche sagen dennoch, Hannover hätte sich in Details zu sehr durchgesetzt.

Scholten:

Im Großen und Ganzen ist das fair gelaufen. Dass hier und da etwas gegrummelt wird, ist kaum zu vermeiden.

Frage:

Speziell im Oldenburger Land, in Ostfriesland und Emsland würde man es gern sehen, wenn sie eine Amtsperiode dranhängen.

Scholten:

Ich mache keinen Hehl daraus, ich hätte nach dem zwölfjährigen Engagement meine Arbeit gern fortgesetzt. Die Mehrheit im Landvolk favorisiert aber eine andere Lösung. Ich bin Demokrat, akzeptiere das und werde in der neuen Kammerversammlung meinen Beitrag leisten.

Frage:

Stimmt es, dass Sie künftig die Tierseuchenkasse führen werden? Die Position wird ja frei, weil Herr Meyer zu Wehdel als Favorit für die Präsidentenwahl gilt.

Scholten:

Über die Aufgabe bei der Tierseuchenkasse ist noch nicht offiziell entschieden worden. Aber der Berufsstand ist an mich herangetreten, und ich habe meine Bereitschaft erklärt.

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