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Deutsche Unternehmen klagen über fehlende Fachkräfte. Die Wesermarsch bildet keine Ausnahme. Das sagt Günter Thielemann, der die Agentur für Arbeit in Nordenham leitet.
Von Manon GArms
NWZ:
Herr Thielemann, gibt es auch in der Wesermarsch zu wenig Fachkräfte?
Günter Thielemann:
Ein Fachkräftemangel tritt in unterschiedlichen Berufen unabhängig von der Höhe der Arbeitslosigkeit immer mal wieder auf – auch in der Wesermarsch.
NWZ:
In welchen Bereichen herrscht denn gegenwärtig ein Mangel an Fachkräften?
Thielemann:
Zurzeit gibt es Engpässe im Metallbereich und bei den Ingenieuren. Das hängt unter anderem mit dem Berufswahlverhalten zusammen. So mussten die Ingenieure auch schon schlechtere Zeiten durchstehen, was dann viele junge Leute von einem solchen Studium abhält. Der spätere Mangel bei verbesserter Nachfrage ist programmiert.
NWZ:
Kann man also von einem Zustand sprechen, der durch Angebot und Nachfrage gesteuert wird?
Thielemann:
Ja. Jeder Beruf hat so seinen eigenen Rhythmus, der sich neben konjukturellen Entwicklungen auch ein Stück nach der Dauer einer Ausbildung richtet. Wenn ein Beruf gefragt ist, dann möchten viele junge Leute ihn erlernen. Bei geringer Nachfrage ist das umgekehrt. Manchmal ist eben antizyklisches Verhalten die bessere Entscheidung.
nwz:
Liegen konkrete Zahlen zum Fachkräftemangel in der Wesermarsch vor?
thielemann:
Nein, solche Zahlen liegen nicht vor. Ich spreche da eher von einem „gefühlten Fachkräftemangel“, der natürlich durch die aktuellen Erfahrungen bei der Besetzung offener Stellen gestützt ist.
NWZ:
Was kann gegen den Fachkräftemangel unternommen werden?
Thielemann:
Es gibt mehrere Ansatzpunkte, bei denen die demographische Entwicklung nicht außer Acht gelassen werden darf. Zunächst einmal ist es wichtig, die Anzahl der Schulabgänger, die nicht ausbildungsfähig sind, zu verringern, damit sie auf dem Arbeitsmarkt flexibel sein können. Darüber hinaus müssen diejenigen, die keine Ausbildung haben und diejenigen, die bereits über gewisse Qualifikationen verfügen, durch gezielte Maßnahmen fortgebildet werden, um die Anforderungen bestimmter Berufe zu erfüllen.
nwz:
Im Metallbereich und bei den Ingenieuren ist der Anteil der Frauen sehr gering...
Thieleman:
Auch und gerade bei Frauen muss das Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Berufen geweckt oder vertieft werden. Darüber hinaus darf das Potenzial derjenigen Frauen, die bereits einen solchen Beruf erlernt haben, nicht vergessen werden. So sollte zum Beispiel Berufsrückkehrerinnen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Tätigkeit nach der Elternzeit qualifiziert fortzuführen. Die Unternehmen haben an der Stelle die Chance, die eigenen Fachkräfte an sich zu binden.
nwz:
Halten Sie es für sinnvoll, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben?
Thielemann:
Wir werden angesichts der demographischen Entwicklung nicht umhinkommen, Fachkräfte aus dem Ausland zu werben. So wie es mit dem Greencard-Projekt, bei dem Fachkräften aus dem Bereich der Informationstechnik eine Arbeitserlaubnis in der Bundesrepublik erteilt wurde, bereits praktiziert worden ist. Konkrete politische Ansätze gibt es ja bereits. Es muss aber stets darauf geachtet werden, dass wir nicht einerseits viele Fachkräfte aus dem Ausland beschäftigen und andererseits ein hoher Sockel Arbeitslosigkeit besteht. Das kann schnell zu sozialen Spannungen führen.