Bei Biogasanlagen birgt vor allem die neue Technik Risiken, sagt Christoph Gers-Grapperhaus. Der Energieberater der Landwirtschaftskammer war gestern Gast des Landfrauenvereins.
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Frage:
Herr Gers-Grapperhaus, erneuerbare Energien sind seit Jahren Thema, tragen aber dennoch nur wenige Prozent zur Energieversorgung bei, warum?
Gers-Grapperhaus:
Wir haben bei alternativen Energieformen immer das Problem, dass wir relativ hohe Investitionskosten haben. Deswegen sind viele Verbraucher zurückhaltend. Man möchte Energiekosten sparen, kümmert sich um das Thema, hört von den hohen Investitionskosten und nimmt dann doch wieder Abstand, weil man meint, dass der Gewinn, den man erzielen kann, zu gering ist.
Frage:
Und das wird sich auf absehbare Zeit ändern?
Gers-Grapperhaus:
Das wird sich ändern, so zeigt es uns jedenfalls der Markt. Je höher die Energiepreise steigen – sowohl die Brennstoffkosten als auch die Strompreise –, desto eher werden Alternativen auf breiter Front in der Praxis eingesetzt.
Und die Wirtschaftlichkeit von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien ist gerade in den zurückliegenden Wochen und Monaten bei den stark angestiegenen Brennstoffkosten deutlich besser geworden.
Frage:
Erneuerbare Energien hier in der Region sind neben Solarenergie vor allem Windkraft und Biogas. Drohen nach der vielfach beklagten „Verspargelung der Landschaft“ durch Windkraftanlagen jetzt große Monokulturen für die Biogasanlagen?
Gers-Grapperhaus:
Das wissen wir nicht. Im Moment sprechen bei Biogasanlagen alle von Mais und sehen es äußerst kritisch, wenn wir Mais-Monokulturen bekommen. Mais ist derzeit die bevorzugte Pflanze, weil sie mit dem höchsten Massenzuwachs pro Jahr wächst. Und das ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen. Wir haben bislang nur wenig Erfahrungen, welche Pflanzen in Zukunft ähnliche Ertragspotenziale bringen, die dann als mögliches Substrat in Biogasanlagen ähnlich gute Wirtschaftlichkeitsergebnisse bringen wie der Silomais. Zwar kann eine Anlage in Mono-Vergärung betrieben werden, das ist aber selten sinnvoll, weil gärbiologische Schwierigkeiten auftreten. Ein gewisser Substrat-Mix ist also immer anzuraten. Und von daher wird es auch unterschiedliche Pflanzenarten geben, die wir in Biogasanlagen einsetzen.
Frage:
Welche Chancen bieten sich Landwirten durch die Wandlung zum Energiewirt?
Gers-Grapperhaus:
Die Chancen könnten sehr gut sein, wenn Nahrungsmittel immer preiswerter werden und Landwirte auf ihren Betrieben kein ausreichendes Einkommen haben, die Energiepreise aber den total umgekehrten Weg gehen und immer teurer werden. Wenn wir dann Pflanzenmaterial zur Energieerzeugung einsetzen können, kann das für Landwirte ein sehr lukratives Geschäft werden. Und es ist den Landwirten überhaupt nicht zu verdenken, Möglichkeiten, die der Staat fördert, zu nutzen, um damit die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu sichern und vielleicht sogar zu verbessern.
Frage:
Und wie sieht es mit Risiken aus?
Gers-Grapperhaus:
Für die Landwirte birgt es vor allem Risiken, weil wir es mit neuen Techniken zu tun haben. Vieles, was im Moment angeboten wird, ist nicht praxiserprobt und da kann schon mal der ein oder andere Schiffbruch erleiden. Einiges, was vor vier Jahren an Biogasanlagen gebaut wurde, wird heute überhaupt nicht mehr eingesetzt, weil schon die relativ kurze Zeit gezeigt hat, dass wir viel höhere Belastungen haben und dass die Geräte und Techniken anders ausgelegt sein müssen. Der Landwirt hat in erster Linie ein hohes Risiko, ob die Technik, die er kauft auch haltbar genug ist, um auf Jahre hin die Anlage betreiben zu können.
Siehe auch Interview mit Gerd Sonnleitner auf Meinung,
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