Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
Für 2007 prognostiziert der Volkswirt 1,8 Prozent Wachstum. Längerfristiges Inflationspotenzial sieht er nicht.
Von Dieter W. Heumann
Frage:
Der Sachverständigenrat ist mit Blick auf die Konjunktur sehr optimistisch: Für 2006 prognostizieren Sie ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 2,4 und für 2007 1,8 Prozent. Letzteres ist wesentlich mehr als andere – wie z.B. die EU Kommission, erwarten, die nur von 1,2 Prozent Wachstum ausgeht.
Wiegard:
Ja, aber das erachten wir als zu gering: Der statistische Überhang, mit dem wir in das Jahr 2007 starten, liegt bereits bei 1,3 Prozent. Das bedeutet: Würde das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2007 gegenüber dem vierten Quartal 2006 nicht weiter zunehmen, dann läge die Zuwachsrate 2007 schon bei 1,3 Prozent. Wir erwarten im ersten Quartal 2007 einen mehrwertsteuerbedingten Wachstumseinbruch und in den Folgequartalen wieder ansteigende Raten, so dass wir 2007 locker auf über 1,3 Prozent Wachstum kommen werden.
Frage:
Wer wird 2007 Wachstumsmotor sein?
Wiegard:
Die inländischen Investitionen – auch die Bauinvestitionen – werden sich im kommenden Jahr weiterhin günstig entwickeln, und auch der Außenbeitrag, die Differenz von Zunahme der Exporte und der Importe, wird zum Wachstum beitragen.
Frage:
Sie sehen Inflationspotenzial. Wo liegen die Ursachen?
Wiegard:
Wir sehen keinen dramatischen Inflationsanstieg. Als Folge der Mehrwertsteueranhebung dürfte sich die Inflationsrate im Euroraum um circa 0,3 Prozenpunkte erhöhen. Rechnet man die Umsatzsteuereffekte heraus, liegt sie etwa bei zwei Prozent und damit in der Nähe des Ziels der Europäischen Zentralbank, „unter aber nahe zwei Prozent“.
Frage:
Die EZB begründet ihren restriktiven geldpolitischen Kurs aber mit Inflationsgefahren . . .
Wiegard:
Die Geldpolitik ist im Moment noch nicht restriktiv. Sie war expansiv und geht jetzt langsam auf ein neutrales Niveau über.
Frage:
Wie lautet Ihre Prognose für das kommende Jahr?
Wiegard:
Ich sehe kein längerfristiges Inflationspotenzial in Europa. Vielleicht gibt es noch eine Leitzinserhöhung im ersten Quartal 2007, aber dann dürfte wohl das Ende der Zinserhöhungen erreicht sein.
Frage:
Seit Anfang November haben wir – erstmals seit fünf Jahren – eine inverse Zinsstruktur. Sprich die Verzinsung von Wertpapieren mit kurzfristiger Laufzeit liegt über der von langfristigen Wertpapieren. Das gilt traditionell als Vorbote einer Rezession.
Wiegard:
Ich glaube nicht, dass eine Rezession droht. Im Jahresgutachten haben wir derartige Gefahren genau untersucht, indem wir uns intensiv mit den globalen Ungleichgewichten – den Leistungsbilanzdefiziten und -überschüssen sowie deren Auswirkungen u.a. auf die Anpassung der Wechselkurse – befasst haben. Wir haben keine Anzeichen für eine bevorstehende Rezession festgestellt.