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Von Dieter W. Heumann
Frage:
Herr Koopmann, was bedeutet das Scheitern der Doha-Runde für Welthandel und Weltwirtschaft?
Koopmann:
Durch den Abbruch der Verhandlungen verschlechtern sich die bestehenden Handelsbedingungen nicht schlagartig. Und unter den bisherigen Bedingungen erlebt ja gerade Deutschland seit Jahren eine Expansion seiner Exporte, die deutlich stärker ist als das Wachstum seines Bruttoinlandsprodukts. Sollte es aber zu einem endgültigen Scheitern kommen, kann niemand garantieren, dass die bestehenden Regeln dann noch stets strikt beachtet werden.
Frage:
Aber droht nicht jetzt die Gefahr einer größeren Abschottung einzelner Länder, um ihre Unternehmen vor dem internationalen Wettbewerb zu schützen?
Koopmann:
Ich rechne nicht mit einem „Wettlauf“ gegenseitiger Abschottung. Protektionistische Bestrebungen gab es auch in der Vergangenheit. So u.a. in den USA, die seit den letzten Kongresswahlen – aus denen die Demokraten als Sieger hervorgingen – auf mehr Interventionismus setzen, vor allem gegenüber China. Es könnte aber sein, dass unter dem Vorwand des Abbruchs der Doha-Runde mehr Versuche zu Gegen- und Schutzmaßnahmen gestartet werden.
Frage:
Glauben Sie denn, dass bei einem Sieg der Demokraten im Kampf um die US-Präsidentschaft die USA vermehrt zum Protektionismus greifen werden?
Koopmann:
Nein, nicht unter einem Präsidenten Obama, der im Grunde für eine stärkere Liberalisierung des Welthandels steht.
Frage:
Kurz vor dem Aus der Doha-Runde gab es Hoffnungen auf einen Abschluss. Warum scheiterte die Konferenz dann letztlich doch?
Koopmann:
Dass die Verhandlungen doch noch scheiterten, lag an einem Konflikt zwischen den USA und China sowie Indien. Letztere wollen Handelshürden aufstellen dürfen, wenn ihre Märkte von ausländischen Agrarprodukten überflutet werden. Im Prinzip gestanden die USA dies zu. Strittig war aber vor allem der Schwellenwert. Gemessen an den 18 abgehakten Punkten war dieser Konflikt eher marginal. Schwieriger wäre Punkt 20 geworden. Hier forderten afrikanische Baumwoll-Produzenten die Streichung der grotesk hohen Subventionen für US-Farmen.
Frage:
Welche der beiden Parteien ist nach dem Scheitern härter getroffen worden?
Koopmann:
Verlierer sind alle, aber in erster Linie die ärmsten Entwicklungsländer. Was zu deren Gunsten in der Doha-Runde bereits vereinbart wurde, wie z.B. ein weitgehend zoll- und quotenfreier Zugang ihrer Produkte zu Industrieländermärkten, liegt nun erst einmal auf Eis.
Frage:
Die Bundesrepublik ist ja bereits bei den Warenausfuhren Exportweltmeister. Welche Vorteile hätte die Doha-Runde den Deutschen noch für bringen können?
Koopmann:
Für Deutschland wäre es leichter geworden, seine starke Ausfuhrposition zu sichern oder noch weiter auszubauen. Gerade durch einen nachhaltigen Zollabbau in den Schwellenländern hätten Industrieexporte eine wichtige Stütze erfahren. Aber eine Katastrophe sehe ich durch das Scheitern der Verhandlungen für die deutschen Exporte und damit auch für die Konjunktur nicht heraufziehen.
Frage:
Sie lassen durchblicken, dass Sie Chancen für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen sehen?
Koopmann:
Ich denke, dass die Doha-Runde weitergeführt und zum Abschluss gebracht werden wird. Angesichts des Präsidentenwechsels in den USA Anfang 2009, der Parlamentswahlen in Indien im Frühjahr und der Neubesetzung der EU-Kommission im Herbst 2009 wird dies realistischerweise aber wohl erst 2010 möglich sein
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