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Eltern sollten wissen, auf welchen Seiten ihre Kinder im Internet surfen, sagt der Aper Jugendpfleger Renke Thye. Im Netz lauern viele Gefahren.
Von Thomas Neunaber
Frage:
Sie warnen in Ihren Kursen Kinder und Eltern vor den Gefahren des Internets. Wollen Sie ihnen den Spaß und die Unbefangenheit beim Internet-Surfen vermiesen?
Thye:
Es geht hier nicht um reine Schwarzmalerei. Aber man muss sich einfach vor Augen führen, dass sich unter den Anbietern von Internetseiten auch viele schwarze Schafe befinden. Zudem denke ich an gewaltverherrlichende Webseiten und Seiten mit pornographischen Inhalt.
Frage:
Es gibt aber doch entsprechende Software, die man installieren kann und die solche Seiten beim Internetzugriff grundsätzlich sperrt?
Thye:
Das stimmt, aber das wissen eben nicht alle Eltern und lassen ihre Kinder unkontrolliert drauflossurfen. Mancher Klick ist nicht nur für die Seele der Kinder schädlich, sondern kann für Eltern teuer werden.
Frage:
...weil der Nachwuchs gewollt oder ungewollt bei einem Internethändler Dinge bestellt, die dann beim Erziehungsberechtigten landen?
Thye:
Zum Beispiel. Wenn man auf manchen Seiten im Internet nicht das Kleingedruckte liest, lädt man sich nicht nur einen Rezeptvorschlag per Mausklick auf die Festplatte, sondern hat mit seinem Klick auch gleich ein kostenpflichtiges Abonnement der Webseite mit ihren Rezeptangeboten bestellt. Manche Internetanbieter haben sich geradezu auf solche „Abzocke-Seiten“ spezialisiert und beschäftigen Rechtsanwälte, die ihre Forderungen rigoros durchsetzen. Das Problem ist, dass solche Seiten leider auch von „Internetfiltern“ nicht „rausgefischt“ werden.
Frage:
Im Ernstfall kann man sich dann doch darauf berufen, dass alles ein großes Missverständnis ist und der Sohn oder die Tochter aus Versehen draufgeklickt hat?
Thye:
Als Anschlussinhaber bin ich verantwortlich für das, was geklickt wird. Deshalb muss man seinen Internetzugang unbedingt durch virtuelle Sperren wie Firewalls davor schützen, dass ohne eigenes Wissen jemand auf meinem Namen surft.
Frage:
Gibt es noch andere Gefahren, die im Internet auf Kinder und Jugendliche lauern?
Thye:
Ja. Kinder und Jugendliche laden sich gern über Tauschbörsen Musiktitel und Filme aus dem Internet herunter ohne zu wissen, dass sie dabei Urheberrechte verletzen können und sich mit ihrem Verhalten strafbar machen. Auch darüber kläre ich in meinen Internetkursen für Kinder und Erwachsene in Apen auf. Weitere Gefahren gibt es für Mädchen und Jungen in den so genannten Chatrooms, bei denen sie sich mit Gleichaltrigen über ihre Vorlieben austauschen. Hinter manchem netten Jungen verbirgt sich zuweilen ein getarnter pädophiler Erwachsener, der sich Bilder von Mädchen schicken lässt und versucht, mit ihnen anzubändeln.
Frage:
Wenn man Ihre Warnungen über die Gefahren hört, die auf Kinder im Internet lauern, fragt man sich, ob man dem Nachwuchs überhaupt erlauben sollte, im Internet zu surfen?
Thye:
Das Internet ist ein wunderbares Informationsmedium – auch für Kinder. Neue Medien wie das weltweite Datennetz gehören einfach heute auch im Unterricht in der Schule dazu. Wichtig ist aber, dass man den Kindern bereits im Grundschulalter die nötige Kompetenz für die Mediennutzung mitgibt. Deshalb empfehle ich zum Beispiel einen so genannten „Internet-Führerschein“, der Erwachsene und Kinder gleichermaßen dazu befähigt, das Internet sinnvoll zu nutzen und Gefahren aus dem Weg zu gehen.