Herr Zacher, welche Effekte hat die räumliche Trennung von Teams auf die Zusammenarbeit?
ZacherDas kann durchaus negative Konsequenzen haben. Es entstehen räumliche Barrieren beim Austausch über Aufgaben. Das kann etwa dazu führen, dass die Beschäftigten im Homeoffice eher eigenbrötlerische Aufgaben machen, während die Kolleginnen und Kollegen im Büro an größeren Projekten zusammenarbeiten.
Die Identität dieser Subgruppen bildet sich durch die Trennung dann immer stärker heraus. Es kann vorkommen, dass sie in Wettstreit miteinander treten. Das ist kontraproduktiv. Je stärker ein Team zerfällt, desto eher leidet die Kreativität, die Motivation und Leistungsfähigkeit. In der Forschung sprechen wir da von „Sollbruchstellen“, an denen Teams zerbrechen.
Besonders problematisch ist das, wenn ein bestimmter Arbeitsort sich mit einer Funktion oder Identität paart. Beispielsweise, wenn an Universitäten nur noch Hausmeisterinnen oder Assistenten vor Ort sind und die Wissenschaftler von zu Hause aus arbeiten.
Welche Kriterien sollten gelten, wenn wenn es darum geht, wer zum Arbeitsplatz zurückkehren darf?
ZacherEs gibt nicht die eine perfekte Lösung. Es gibt aber verschiedene Ansätze, die zum Teamzusammenhalt beitragen können: Geht man aufgabenorientiert vor, finden Zusammenarbeit und kollaborative Tätigkeiten vor Ort am Arbeitsplatz statt, aufgrund von Corona idealweiser in großen Räumen mit ausreichend Abstand. Aufgaben, die viel Konzentration erfordern, können Beschäftigte dagegen im Homeoffice erledigen.
Denkbar ist auch ein mitarbeiterorientierter Ansatz. Da spielen die Präferenzen der Beschäftigten eine Rolle. Etwa, wie wohl sich jemand bei der Arbeit im Büro fühlt oder wie produktiv jemand im Homeoffice arbeiten kann. Nicht zuletzt sollte das Kriterium Gerechtigkeit berücksichtigt werden. Den Mitarbeitenden sollte klar sein, wie entschieden wird, wer wann im Homeoffice arbeitet. Das trägt zur Akzeptanz bei.
Wie lässt sich verhindern, dass Mitarbeiter im Homeoffice „abgehängt“ werden?
ZacherWir wissen aus Studien tatsächlich, dass viele sich als „professionell isoliert“ sehen, wenn sie dauerhaft von zu Hause aus arbeiten. Sie verpassen die informellen Dinge, die Gespräche in der Küche oder auf dem Flur.
Die Forschung würde daher sagen, dass Homeoffice kein Dauerzustand sein sollte. Empfohlen wird eine hybride Lösung, sodass niemand vergessen wird und sich die Mitarbeitenden zumindest zeitweise vor Ort austauschen können.
Entsprechend sollte auch während der Coronazeit idealerweise rotiert werden, so dass alle Mitglieder eines Teams Zeiten im Büro und Zeiten im Homeoffice haben.
Haben Sie auch einen Rat an diejenigen, die sich vergessen fühlen?
Zacher Es ist eine Typenfrage, wie Mitarbeitende auf sich aufmerksam machen. Das ist für einige leichter, für Introvertierte eher schwieriger. Es gilt aber: Netzwerken ist auch aus dem Homeoffice heraus wichtig. Deshalb sollte man sich bemerkbar machen und dabei kreativ sein: sei es, indem man selbst ein Meeting einberuft oder zur Geburtstagsfeier über Videocall einlädt.
Das lässt sich mit der Laufbahnentwicklung vergleichen: Wer sich weiterentwickeln will und den nächsten Karriereschritt anstrebt, muss ebenfalls eine Extraportion Initiative zeigen.
