Von Dieter W. Heumann
Frage:
Herr Mang, wie bewerten Sie den Koalitionsvertrag?Mang:
Wir sind froh, dass der Koalitionsvertrag das dreigliedrige deutsche Bankensystem ausdrücklich unterstützt. Damit wird unsere Arbeit der letzten Jahre pointiert unterstützt und anerkannt. Außerdem hat sich das dreigliedrige Bankensystem gerade in der Krise sehr gut bewährt.Frage:
Nichts zu nörgeln?Mang:
Skeptisch betrachten wir Absichten, in die Beratungspraxis der Kreditwirtschaft mit weiteren Verschärfungen der Standards eingreifen zu wollen. Die Sparkassenorganisation, die 40 Millionen Privatkunden in Deutschland betreut und berät, befürchtet, dass die Machbarkeit der Beratung in der Praxis verloren geht. Andererseits begrüßen wir die Ansicht der neuen Bundesregierung, dass es notwendig ist, aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Eigenkapitalproblematik zu schauen. Dass die nationale Bankenaufsicht in den internationalen Kontext passen muss, verstehen wir, aber sie sollte national ausgerichtet bleiben. Ferner wünschen wir uns, dass die Sicherungssysteme der Sparkassenorganisation erhalten bleiben. Schließlich haben sie sich als wirksamster Schutz für unsere Kunden erwiesen.Frage:
Viele Banken schreiben wieder Gewinne. Top-Banker werden umworben. Ist die Finanzkrise bereits abgehakt?Mang:
Das glaube ich nicht. Zumindest werden uns die Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft noch einige Zeit beschäftigen.Frage:
Was ist noch zu tun, um die Märkte besser gegen derartige Krisen zu rüsten?Mang:
Wie stets nach Krisen, besteht die Gefahr des Überreagierens. Das Zusammenspiel von Gaspedal und Bremse muss in eine vernünftige Relation gebracht werden. Viele der Grundüberlegungen der Politik, ausuferndes Verhalten in der Kreditwirtschaft zu begrenzen, sind prinzipiell richtig. Aber man muss aufpassen, dass es im Einzelfall nicht zu strangulierenden Wirkungen kommt. Ich denke dabei vor allem an die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken.Frage:
Aber Politik soll nicht alles regeln, oder?Mang:
Richtig, und daher muss in der Kreditwirtschaft das realitätsbezogene Banking geschärft werden und ein Umdenken wieder zu mehr Bodenhaftung erfolgen. Der über Jahrhunderte gute Ruf des Bankers kann nur dann wieder hergestellt werden, wenn die Verantwortlichen in der Kreditwirtschaft ihm wieder gerecht werden. Es muss wirklich umgedacht werden, auch wenn es Fehlentwicklungen nur in wenigen Jahren gegeben hat und in Jahrzehnten davor gut und sauber gearbeitet wurde.Frage:
Sollten die in Politik, Aufsicht, Zentralbanken und Finanzinstitutionen Verantwortlichen mehr zur Rechenschaft gezogen werden?Mang:
Wie gesagt, besonders wichtig ist, dass zunächst die in der Kreditwirtschaft Verantwortlichen umdenken. Aber es gibt auch andere Akteure: Die Politik, die die Rahmenbedingungen nicht immer richtig gesetzt hat, und die Aufsichten, die die Kleinen der Branche besonders streng beäugt haben und die Großen wohlfeil laufen ließen. Medien sind nicht ohne Verantwortung, weil sie den Menschen suggeriert haben, die Rendite über alles zu stellen. Aber auch die Kunden selbst haben aufgrund oftmals unkritischen Verhaltens eine Mitverantwortung: So wurden z.B. kleinen Banken in Island unbesehen Gelder anvertraut. Aber hauptverantwortlich bleibt die Kreditbranche. Dies justiziabel zu gestalten, ist allerdings kompliziert und sehr schwierig. Von fahrlässigem Verschulden abgesehen wird es schwer sein, im Nachhinein die Verantwortlichen zu identifizieren und zu bestrafen. Zukünftig muss noch stärker darauf geachtet werden, nur diejenigen in Spitzenpositionen zu befördern, die Gewährfür verantwortliches Handeln bieten.
