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INTERVIEW „Liebeserklärung an die Heimatregion“

Von Rüdiger zu Klampen

Frage:

Herr Bartels, mal im Ernst: Warum bauen Sie als erfahrener Logistik-Unternehmer ihre neue Europa-Zentrale im peripher gelegenen Schortens – und nicht standortoptimiert an einem Autobahnkreuz in der Mitte Deutschlands?

Bartels:

Der Zuschlag für Friesland ist in der Tat sachlich kaum zu begründen. Die Region liegt eher am Rande der großen europäischen Verkehrsströme, und hier wickeln wir auch nur sieben bis acht Prozent unserer Gesamtaktivitäten ab. Es handelt sich um eine rein emotionale, persönliche Entscheidung.

Frage:

Wie bitte?

Bartels:

Wenn Sie so wollen, ist die Investition eine Liebeserklärung eines Wilhelmshaveners an seine Heimatregion, auch an die Menschen hier.

Frage:

Immerhin ist Wilhelmshaven/Friesland schwer im Kommen. . .

Bartels:

Das sehe ich auch so. Viele interessante Investitionsprojekte, die der Region insgesamt kräftigen Schub geben werden, zeichnen sich ab. Speziell der Jade-Weser-Port könnte auch für uns als Logistiker neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen – eventuell über unser bisheriges Kerngeschäft in der Lebensmittelkühl- und -tiefkühllogistik hinaus. Wichtig ist jetzt der Ausbau der Verkehrsstrukturen im Hinterland. Für uns – wie für viele andere Unternehmen im Nordwesten auch – ist vor allem die Küstenautobahn A 22 Richtung Hamburg sehr wichtig. Diese schnelle Verbindung Richtung Hamburg ist geradezu unverzichtbar. Die Planungen müssen schnellstens umgesetzt werden.

Frage:

Was entsteht am Stammsitz in Schortens konkret neu?

Bartels:

Die Europazentrale der Nordfrost-Gruppe. Wir investieren zwölf Millionen Euro, also noch zwei Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Auf fünf Stockwerken stehen dann 5000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, vor allem für Büros.

Frage:

Was wird dort untergebracht?

Bartels:

Alle zentralen Unternehmensfunktionen. Dazu gehört auch die zentrale Fernverkehrssteuerung der Gruppe. Die bewegt immerhin rund 1000 Lkw-Ladungen pro Tag.

Frage:

Europazentrale hört sich nach neuen Zielsetzungen an. . .

Bartels:

Wir sind mit unseren Transportleistungen schon heute in ganz Europa unterwegs. Eigene Kühlstandorte hat die Gruppe außerhalb Deutschlands bereits in Dänemark und den Niederlanden. Expandieren werden wir in den nächsten Jahren vor allem in Osteuropa.

Frage:

Worin besteht Ihre Dienstleistung genau?

Bartels:

Früher haben wir ausschließlich Ware gelagert. Doch längst haben wir uns zu einem Logistiker mit umfassenden Dienstleistungen – einschließlich Abpacken, Kommissionierleistungen und Transport bis zum Endverkaufspunkt – entwickelt. Der Markt schreit buchstäblich nach solchen Serviceleistungen aus einer Hand. Der Bedarf ist enorm.

Frage:

Können Sie die Investitionen aufbringen, um mitzuhalten?

Bartels:

Wir haben binnen fünf Jahren 100 Millionen Euro in unsere 30 eigenen Kühl- und Tiefkühlstandorte investiert. Allein in diesem Jahr werden es bis zu 45 Millionen Euro sein. Neben der neuen Zentrale in Schortens sind die Logistikzentren bei Berlin und Frankfurt die Schwerpunkte.

Frage:

Wird die Zentrale in Schortens auch weiterhin von der günstigen Nordfrost-Entwicklung profitieren?

Bartels:

Da bin ich sehr zuversichtlich. Die zentralen Funktionen werden weiter verstärkt werden. In Schortens haben wir in der neuen Europa-Zentrale mit 80 Mitarbeitern Platz für 120. Das Grundstück von 16 000 Quadratmetern lässt weitere Erweiterungen problemlos zu. Logistik bleibt eine Boom-Branche, und der Nordwesten wird davon profitieren.

Frage:

Herr Bartels, Sie sind nun 61 Jahre alt. Haben Sie sich Gedanken über die Nachfolge gemacht?

Bartels:

Mein Sohn wird eines Tages an die Unternehmensspitze rücken. Er ist seit zweieinhalb Jahren mit an Bord und leitet als promovierter Informatiker zurzeit die Informationstechnik-Sparte.
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