• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Droht Deutschland eine Rezession?

26.07.2018
Frage: Herr Götz, in der Weltwirtschaft häufen sich, auch durch politische Eingriffe, die Probleme? Droht Deutschland in Kürze die erste Rezession seit zehn Jahren?
Götz: Jüngst noch hat die Bundesbank ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent in 2018, 1,9 in 2019 sowie 1,6 für 2020 in Aussicht gestellt. Rezession sieht anders aus. Allerdings hinkt die Wachstumsrate des deutschen Bruttoinlandprodukts anderen Ländern Europas und der Weltwirtschaft hinterher.

Der Experte

Ralf-Joachim Götz ist Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Der 58-Jährige ist seit dem Jahr 2000 für die Unternehmensgruppe tätig. Zuvor war er Direktor der Dresdner Bank und Bereichsleiter im Geschäftsbereich Privatkunden/Vermögensberatungskunden. Gestartet hatte er seine Karriere mit einer Banklehre und dem Studium der Wirtschaftswissenschaften mit anschließender Promotion an der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Die Deutsche Vermögensberatung hat ihre Umsatzerlöse im vergangenen Jahr um drei Prozent auf rund 1,357 Milliarden Euro gesteigert. Im Oldenburger Land hat der Konzern nach eigenen Angaben rund 200 Berater und mehr als 80 000 Kunden.

Handelskonflikte und übermäßige Regulierungen können das Fortschrittstempo drosseln.
Frage: Könnte eine leichte Abschwächung der Wirtschaft – global wie national – Auswirkungen auf die Zinspolitik der Zentralbank haben? Sprich, lassen höhre Zinsen noch länger auf sich warten?
Götz : Die Europäische Zen­tralbank hat angekündigt, dass sie den Leitzins frühestens im Herbst 2019 anheben wird.
Frage: Wird es jemals wieder attraktive Sparzinsen geben?
Götz : Sparzinsen sind attraktiv, wenn sie die Inflationsrate und eventuelle Steuerlasten übertreffen. Das ist schon länger nicht mehr der Fall. 2017 stiegen die Preise um 1,8 Prozent, und auf dem Sparkonto gab es nahezu keine Zinsen. Auch aktuell sieht es für viele Sparer mau aus. Wer mehr will, sollte sich nach anderen Anlageformen umschauen und beraten lassen.
Frage: Die Deutschen setzen weiterhin stark auf das klassische Sparen, trotz Null-Zinsen. Wie ist das zu werten?
Götz : Ein Teil der über 2,3 Billionen Euro, die Privathaushalte als Bargeld unterm Kopfkissen oder als Guthaben bei Sparkassen und Banken halten, ist dem starken Sicherheitsbedürfnis vieler Deutscher geschuldet. Dabei bieten diese Ersparnisse nur nominale Sicherheit. Denn durch den erwarteten Anstieg der Verbraucherpreise dürften sie allein 2018 etwa 40 Milliarden Euro an realer Kaufkraft verlieren.
Frage: Alle Anlageklassen für die Kapitalanlage beziehungsweise systematisches Sparen erscheinen zurzeit überteuert – von Immobilien bis Aktien. Wo sehen Sie die besten Aussichten für die nächsten Jahre?
Götz: Gut lief es für viele Anleger, die auch Immobilien oder aktienbasierte Anlagen wie Investmentfonds oder fondsgebundene Lebensversicherungen besitzen. Auch künftig können diese bei vorausschauender Auswahl attraktive Erträge bringen. Wichtig ist, dass Sparer ihre Anlagen streuen, staatliche Fördermöglichkeiten für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge nutzen und bereit sind, zur Erreichung langfristiger Sparziele kalkulierte Risiken einzugehen.
Frage: Menschen, die sich persönlich nicht so für Kapitalanlage und Vorsorge interessieren – wie sollten die sich dem Thema nähern, um zu eigenem Vermögen zu kommen?
Götz : Vermögensplanung ist auch ein Stück Lebensplanung. Und die sollte man nicht dem Zufall überlassen, sondern sich von einem Profi persönlich beraten lassen. Und dies gilt ganz besonders in der jetzigen Niedrigzinsphase mit Inflation.
Frage: Angesichts der niedrigen Aktionärs- und Grundeigentümerquote in Deutschland – hat die Politik nicht total versagt?
Götz : In Deutschland besitzen zehn Millionen Menschen oder etwa 16 Prozent der über 14-Jährigen Aktien und/oder Aktienfonds. Die Wohneigentumsquote liegt bundesweit bei 45 Prozent, in Niedersachsen allerdings höher. Die Werte sind im internationalen Vergleich trotzdem niedrig. Auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung könnte der Staat die finanzielle Allgemeinbildung der Bürgerinnen und Bürger stärker fördern und den systematischen Vermögensaufbau mit Immobilien und aktienbasierten Altersvorsorgeformen erleichtern. Das schafft Wohlstand und Bindung zugleich.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

Weitere Nachrichten:

DVAG | EZB | Deutsche Bundesbank

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.