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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

HWK-Hauptgeschäftsführer möchte Vielseitigkeit des Handwerks zeigen

02.10.2019
Frage: Herr Henke, wie sieht es mit der Zahl der Auszubildenden im Handwerk aus?
Henke : Wir gehen davon aus, dass wir den Standard vom Vorjahr halten können. Ich sehe es nicht so dramatisch, wie häufig gesagt wird. Der Hang zu höheren Schulabschlüssen nimmt dennoch weiter zu. Das Handwerk hat generell viel zu tun, daher suchen viele Betriebe mehr Lehrlinge als bisher – aber sie finden bis auf wenige Ausnahmen keine.

Der Experte

Heiko Henke (58) ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg und Mitglied der Jury beim „Preis für Innovative Ausbildung“ (PIA) der NWZ.

Mit PIA sollen Unternehmen aus dem Oldenburger Land gewürdigt werden, die in der dualen Berufsausbildung mehr tun als üblich. Bewerbungen sind noch bis Dienstag, 8. Oktober, möglich. Weitere Info zu PIA:

    www.nwzonline.de/pia

Frage: Welche Bereiche sind besonders gefragt?
Henke : Das kann man so pauschal nicht sagen. Beliebt sind die Berufe Kfz-Mechatroniker und bei Frauen die Ausbildung zur Friseurin. Auch bei Bauberufen gibt es eine starke Nachfrage. Das Nahrungsmittelgewerbe hat es dagegen etwas schwerer, Stellen zu besetzen. Beim Interpretieren der Statistiken müssen wir aber beachten, dass nicht so starke Nachfrage nicht gleich bedeutet, dass die Berufssparte nicht so beliebt ist. Es gibt beispielsweise nicht so viele Raumausstattermeister in der Region wie Friseure.
Frage: Wie ist die öffentliche Wahrnehmung des Handwerks?
Henke : Was ich so mitbekomme ist der Eindruck gut. Mir fällt allerdings auf, dass junge Menschen nicht mehr so viel Lust haben, sich selbstständig zu machen. Selbstständig zu sein, heißt natürlich auch, mitunter keinen geregelten Tagesablauf zu haben, also von 8 bis 16 Uhr zu arbeiten und danach die Zeit mit der Familie zu genießen. Dafür kann man eigene Dinge entwickeln, ist sein eigener Chef, ist flexibel. Das müssen wir wieder ins Bewusstsein der jungen Leute bekommen.
Frage: Wo genau liegt das Problem bei der Selbstständigkeit – und wie sieht es mit den Ich-AGs aus?
Henke : Die Ich-AGs wurden seinerzeit gefördert und die Möglichkeit wurde auch von vielen wahrgenommen, aber inzwischen ist das vorbei. Meistens haben Arbeitslose oder diejenigen, die irgendwo beschäftigt waren, aber ihr eigener Chef werden wollten, eine Ich-AG gegründet. Allerdings haben viele aufgegeben, es fehlte häufig an Erfahrung, um am Markt zu bestehen.
Frage: Wie kann das Handwerk auf sich aufmerksam machen und mehr junge Menschen begeistern?
Henke : Der Preis für Innovative Ausbildung PIA der NWZ zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass sich in den Unternehmen viel tut. Die Betriebe mussten erstmal begreifen, dass sie sich um junge Leute bewerben müssen und nicht mehr umgekehrt. Darauf haben sie sich inzwischen eingestellt. Übergreifend kann man sagen, dass die Mentalität „Feg mal eben den Hof“ und „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ausgedient hat. Von diesem Wandel profitieren sowohl die Auszubildenden als auch die Betriebe. Denn wer sich um Azubis kümmert, sie ernst nimmt und bereit ist, auch etwas von ihnen zu lernen, der kann eine entsprechende Leistung und Engagement erwarten, was wiederum der Firma zugutekommt. Noch viel wichtiger ist aber das Image eines guten Arbeitgebers. Nur wer das hat, findet auch Nachwuchs.
Frage: Wissen Betriebsleiter, worauf es Jugendlichen heutzutage ankommt?
Henke : Das ist die Grundvoraussetzung. Wir als Handwerkskammer bieten beispielsweise unter der Überschrift „Qualität in der Ausbildung“ Schulungen für Betriebsleiter an, um ihnen zu erklären, wie sie mit Jugendlichen umgehen sollten, wo man gegensteuern muss, was man fördern sollte. Viele Betriebe in der Region sind aber schon vorbildlich unterwegs.
Frage: Tut die Politik genug für das Handwerk?
Henke : Mit der Meisterprämie, die jüngst in Niedersachsen verlängert wurde, hat die Politik ein positives Signal gesendet. Wo wir noch Handlungsbedarf sehen, ist bei der Entlastung Auszubildender, die eine weitere Anfahrt zur Berufsschule oder zum Betrieb haben. Das Azubi-Ticket wäre eine Möglichkeit. Ansonsten ist vielen offenbar gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten eine Ausbildung im Handwerk eröffnet. Das ist an allgemeinbildenden Schulen daher auch Thema.
Frage: Welche Chancen gibt es nach einer Ausbildung im Handwerk?
Henke : Wer die Ausbildung geschafft hat, kann unter anderem im Ausland arbeiten, man kann als Geselle arbeiten und später seinen Meister machen. Selbst ein Studium ist noch möglich. Eine Ausbildung verbaut keine Chancen, sondern sie eröffnet neue. Zum Beispiel die Selbstständigkeit. Wer vorangehen möchte, hat dazu in den nächsten Jahren im Handwerk sehr gute Möglichkeiten, denn viele Betriebe stehen zur Übergabe an. Da die Nachfolge nicht mehr so häufig wie früher innerhalb der Familie stattfindet, eröffnet dies wiederum Chancen für andere „Macher“.
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Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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