Die geplante einheitliche Notdienstregelung in Niedersachsen hat zu erheblichen Protesten hiesiger Ärzte geführt; Fragen dazu an Dr. Mechthild Ibrahim, Allgemeinmedizinerin in Friesoythe.
Um diesen Artikel zu lesen, schließen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschränkt zur Verfügung.
Von Thomas Haselier
Frage:
Frau Dr. Ibrahim, warum laufen die Ärzte gegen die neue Regelung Sturm?
Ibrahim:
Weil die vorgesehene Vergrößerung der Notdienstbezirke für alle Beteiligten – Ärzte und Patienten – eine deutliche Verschlechterung brächte.
Frage:
Warum? Die Notdienstbezirke wurden ja nicht nur vergrößert, auch die Zahl der beteiligten Ärzte soll damit deutlich erhöht werden . . .
Ibrahim:
Ein Scheinargument und eine Milchmädchenrechnung. Tatsächlich würde das vorgesehene Notdienstgebiet ungefähr verdoppelt. Die dafür vorgesehenene Ärztezahl erhöht sich von jetzt 22 auf dann 56. Hört sich gut an, ist es aber nicht, denn es müssen jeweils zwei Ärzte gleichzeitig Dienst machen, einer in der Notdienstpraxis, einer unterwegs auf Hausbesuchen.
Frage:
Und wie war das bisher?
Ibrahim:
Gegenwärtig teilen sich die Kollegen in Bösel/Garrel, in Barßel/Saterland und in Friesoythe die Notdienstfälle, je eine Praxis ist dort offen. Nach der neuen Regelung soll eine zentrale Notdienstpraxis, die übrigens erst einmal angemietet und für horrende Summen neu eingerichtet werden müsste, das übernehmen. Wenn man mal die derzeitige durchschnittliche Inanspruchnahme der Wochenenddienste zu Grunde legt, wird die durchschnittliche Frequentierung der zentralen Notdienstpraxis bei 100 bis 120 Patienten pro Wochenendtag liegen. Sie können sich vorstellen, was das für Wartezeiten gibt, zumal in der Regel ja nur ein Arzt in der Praxis ist. Der andere ist ja zu Patienten unterwegs, die nicht in der Lage sind, in die Praxis zu kommen.
Frage:
Aber das ist doch durchaus auch ein Vorteil, dass ein Arzt unterwegs ist, oder?
Ibrahim:
Den kann ich so nicht erkennen. Man stelle sich vor, ein Kollege ist gerade bei einem Notdienstfall in Wittensand, da ruft ein schmerzgeplagter Patient aus Beverbruch an. Wenn dann unterwegs noch zwei, drei andere Patienten zu versorgen sind, kann es durchaus mal zu Wartezeiten von zwei bis drei Stunden kommen. Keine schöne Vorstellung, wenn man große Schmerzen hat. Das führt unter Umständen dazu, dass dann die Krankenhaus-Notärzte verstärkt alarmiert werden. Auch ökonomisch ist das deshalb keine gute Regelung.
Frage:
Aber es deutet sich ja ein Einlenken an . . .
Ibrahim:
. . . jetzt soll es erst mal eine lokale Kosten-Nutzung-Analyse geben. Warten wir mal ab, was die ergibt. Im Übrigen ist der Widerstand der hiesigen Ärzte einhellig: Alle haben eine Resolution an die Politik unterzeichnet mit dem Ziel, die neue geplante Notdienstreglung zu verhindern. Auch das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie unsinnig das Vorhaben ist.