FRAGE: 13 JAHRE WAREN SIE VORSTANDSVORSITZENDER DES ARBEITGEBERVERBANDES OLDENBURG; MITTE MAI T
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Hecker:
Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir das Amt sehr viel Spaß gemacht hat. Allerdings habe ich mich manchmal gefühlt, wie ein Pastor für das Leiden der Firmen. Durch immer mehr Arbeitsschutzrechte ist die Zahl der Arbeitsgerichts- und Sozialgerichtsprozesse, bei denen wir unsere Mitglieder auch betreuen, in den letzten Jahren ständig gestiegen. Trotz der steigenden Arbeitsbelastung konnte eine Beitragserhöhung in meiner Amtszeit vermieden werden.
Frage:
Wo liegen für Sie die Stärken der heimischen Wirtschaft?
Hecker:
Ganz eindeutig im Dienstleistungsbereich. Und – auch wenn Sie immer schwächer wird – in der Bauwirtschaft. Eine echte Erfolgsgeschichte ist natürlich die EWE. Hätten wir da nur mehr von. Und positiv ist sicher auch, dass wir vom demographischen Wandel nicht so stark betroffen sind wie andere Regionen.
Frage:
Was könnte eine Metropolregion „Bremen-Oldenburg im Nordwesten“ für die Wirtschaft bringen?
Hecker:
Der sinkende Trend der Zentralität könnte dadurch vielleicht gestoppt werden. Wir haben die Bezirksregierung verloren und wesentliche Teile der Bundeswehr. Dies trifft uns auch wirtschaftlich stark. In der geplanten Metropolregion hat Oldenburg das Glück, genau im Zentrum zu liegen. Das sollte zu einer gewissen Stärkung des Standorts führen.
Frage:
Ist
denn die Metropolregion Bremen/Oldenburg Ihrer Ansicht nach regional richtig abgesteckt?
Hecker:
Man fragt sich natürlich, was wird mit Ostfriesland und dem Emsland. Werden die eventuell abgehängt? Das kann nicht das Ziel sein . . .
Frage:
. . . sollte man die beiden Regionen dazu nehmen?
Hecker:
Ich weiß nicht, inwieweit man das Projekt dann verwässert. Von der Geografie her wäre eine Region Bremen/Weser-Ems und wesernahe östliche Gebiete sicher besser. Das würde auch die Häfen gut zusammenfassen.
Frage:
Der laufende Reformprozess in Deutschland wird von den Arbeitgeberverbänden als nicht weit reichend genug kritisiert. Was halten Sie für vorrangig?
Hecker:
Die Senkung der Lohnnebenkosten. Da sind wir ja kaum weiter gekommen. Angesichts der billigen Arbeitskräfte aus dem Osten müssen wir uns auch Gedanken über die Lohnfindung machen. Ich glaube nicht, dass das Kartell aus Gewerkschaften und Arbeitgebern zu Lasten der Arbeitslosen noch lange halten kann . . .
Frage:
. . . heißt das „Schluss mit der Tarifautonomie“?
Hecker:
Frau Thatcher hat in Großbritannien so etwas Ähnliches gemacht. Und dort ist man damit ja offensichtlich gut gefahren. Deutschland hingegen ist mit seinem System Wachstumsschlusslicht in Europa geworden. Wir brauchen viel mehr tarifliche Vereinbarungen auf der betrieblichen Ebene.
Frage:
Die geplante Unternehmensteuerreform droht schon wieder im politischen Gezänk unterzugehen. Welche Erwartungen haben Sie an eine solche Reform noch?
Hecker:
Zunächst einmal entlastet Sie vor allem Körperschaftsgesellschaften. Unsere Mitglieder sind aber häufig Personengesellschaften. Hilfreich ist für Sie sicher die Planung, die Gewerbesteuer stärker auf die Einkommensteuer anzurechnen. Aber es wird auch weiter Gewerbesteueranteile geben, die immer anfallen – auch wenn das Unternehmen Verluste macht.
Frage:
Findet das Oldenburger Land aus Ihrer Sicht politisch in Berlin und Hannover genug Gehör?
Hecker:
Ich glaube schon, dass wir in Berlin und Hannover ganz gut repräsentiert werden. Wir verkaufen uns dort auch gut. Und Aufmerksamkeit findet sicher auch, dass wir mit dem Oldenburger Münsterland eine – auch im bundesweiten Vergleich – wirklich florierende Region haben.